Es ist das Spiel von Licht und Schatten, bei dem das Äußere mit dem Inneren verschmilzt wie Schichten in der Malerei, und Funktionalismus zu Rauminstallation wird. Bergs bildnerischer Versuch einer Neuinterpretation wird zu einem ästhetischen Erlebnis. Harald Theiss

Das bauhaus setzte vor 100 Jahren weltweit neue Maßstäbe auf allen Gebieten der angewandtenwie freien Kunst, der Architektur und des Wohnens, es beeinflusste wesentlich die Entwicklung der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Die bauhaus-Bewegung prägte nicht nur einen Gestaltungsbegriff , sondern auch ein Lebensmodell, das für gesellschaftlichen Wandel steht. Die internationale Faszination für die Lehren des bauhaus ist bis heute ungebrochen.

Stefan Berg lässt über eine zeitgenössische Bildsprache, losgelöst vom bisher allgemeinbekannten kulturhistorisch und architektonischen Diskurs, das Modell bauhaus denken inder Gegenwart sichtbar werden. Ziel des Künstlers ist es, die der bauhaus-Lehre zugrundeliegenden Prinzipien bildhaft darzustellen, den Versuch der Modernisierung und Gestaltungeiner Gesellschaft anschaulich und spürbar zu machen.

Mit einem konzentrierten fotografischen Blick untersucht Berg, ob und wie sich die Idee bauhausam Beispiel des Dessauer Gebäudes manifestiert. Der Künstler sucht nach Gestaltungselementen und Inhalten, die miteinander korrespondieren. Er beschäftigt sich mit grundlegenden Themen wie Licht, Proportion, Fläche, Raum und Materialität. Wenn sich in einer Fotografie von Stefan Berg ein Treppengeländer in eine konstruktivistisch anmutende Gestaltung aus Fläche, Form und Linie verwandelt, wird die These vom Gründungsdirektor des bauhaus Walter Gropiusaus dem Jahr 1923 greifbar, dass Kunst und Technik eine Einheit sind.

Damals wie heute geht es um Umwandlungsprozesse. Stefan Berg weist mit seiner Arbeit auch in die Zukunft, indem er einbezieht, was die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des bauhaus angesichts zeitgenössischer Fragestellungen sein kann.

Stefan Berg (*1971) ist Fotograf. Er setzt sich in seiner Arbeit vorwiegend mit den Themen Arbeit, Identität und Bildung auseinander. Nach einer Ausbildung zum Fotografenmeister in Heidelberg studierte er Kommunikationsdesign bei Prof. Wiebke Loeper in Potsdam. Seither hat er vielfach ausgestellt. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

Die dem Ausstellungsprojekt zugrunde liegende Publikation bauhaus – gesehen von Stefan Berg erschien im Distanz-Verlag.