Die Ausstellung zeigt aktuelle Werke des in Wilhelmshaven lebenden Malers Hartmut Wiesner, der in diesem Jahr 75 wird. Die Anfänge seines sich stets wandelnden Werkes liegen in den 1960er-Jahren, als Wiesner an der HFBK in Hamburg bei dem Neosurrealisten Paul Wunderlich, dem Pop-Erotomanen Allen Jones und dem großen Pop-Künstler David Hockney studiert. Schon zu Studienzeiten nimmt er an Bazon Brocks konsumkritischer «Wegwerfbewegung» in Hannover teil (1967), bewirbt sich erfolglos beim Playboy mit erotischen Zeichnungen (1968) und isst Spiegeleier mit Joseph Beuys (1969). Nach einer kurzen Zeit als Gymnasiallehrer (1973–1977) folgt eine Laufbahn als Hochschuldozent an der Universität Oldenburg (1978–2008). Darüber hinaus ist Wiesner – zwar in Wilhelmshaven verankert, aber im Geiste Kosmopolit – viel auf Reisen.

Bereits in den 1960er-Jahren entstehen meisterhafte Zeichnungen auf psychedelisch- surrealistische Art mit minutiös ausgeführten Details, aber skizzenhafter Anmutung. Eine Praxis, an die auch aktuelle Bilder anknüpfen, auf denen verschiedene Strukturen –Menschen, Objekte, Tiere, Landschaften, Geometrien – ohne augenscheinliche Verbindung nebeneinander existieren. Parallel zum zeichnerisch-malerischen Werk arbeitet Wiesner mit Musik, Film, Fotografie, Performance, Installation und ist seit den 1980er-Jahren mit Skulpturen im öffentlichen Raum präsent.

Wiesner sucht immer wieder den neuen Ausdruck, ist stets in Bewegung und blickt lieber in die Zukunft als zurück. Daher zeigt die Kunsthalle Wilhelmshaven keine Rückschau auf ein organisch gewachsenes Werk, sondern Arbeiten unter dem Titel WILD WACHSEN - ein Motto, unter dem viel Neues mit großer stilistischer Bandbreite und unerwarteten Sujets wuchert. Zu sehen sind Bilder, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht, als Einzelner oder neben anderen. Dem Betrachter begegnen Protagonisten in rätselhaften Situationen, in Bewegung, wie zufällig im Tun eingefroren, manche von ihnen tragen die Züge des Künstlers – aber deshalb sind es noch keine Selbstporträts, sondern eher verschiedene Möglichkeiten der Existenz. Neben den Menschenbildern treten vor allem arktische Landschaften hervor. So bilden Eisgebirge die Folie, vor der sich rätselhafte Handlungen entspinnen. Die surrealen Szenen, der starke Hell-Dunkel-Kontrast und der pechschwarze Himmel lassen mitunter an die neusachlichen Arbeiten von Franz Radziwill denken. Auch auf den ersten Blick elegant anmutende Stillleben sind zu entdecken, die mit ungewöhnlichen, den Betrachter heraus- fordernden Motiven kontrastiert werden. Eine junge Werkgruppe sind die Bilder und Skulpturen großer Nägel in unterschiedlichen Techniken – als Zeichnung, Malerei und Plastik, die nicht als Abbilder von Gegenständen, sondern geradezu als Porträts von Individuen erscheinen.

Korrespondierend zur 150-Jahr-Feier Wilhelmshavens werden außerdem 50 Zeichnungen auf Holztafeln sowie zehn kleine Bronzeskulpturen gezeigt. Sie thematisieren Fritz Höger, einen bedeutenden Vertreter des Klinkerexpressionismus in Wilhelmshaven und Umgebung, und den Bauhausgründer Walter Gropius. Diese Arbeiten wurden 2015 erstmalig in der Fagus- Galerie (Alfeld) gezeigt.

Auf Wiesners Werken lässt sich viel Rätselhaftes, Unterhaltsames, mitunter Verstörendes finden. Der Kunsthalle Wilhelmshaven ist Hartmut Wiesner vielfach verbunden, seit einer ersten Ausstellung 1970 und einer ersten Einzelausstellung 1973. Für den Erhalt des von der Schließung bedrohten Baus setzte er sich 2014 vehement und federführend ein.

02.06. - 14.07.2019

Hartmut Wiesner: WILD WACHSEN. Bilder 2012-2019

Kunsthalle Wilhelmshaven

Adalbertstraße 28
26382 Wilhelmshaven