Jin-Sook Chun schafft sich gemalte Erinnerungen auf offenem Leinwandgewebe, die dem subjektiven Erlebnisgehalt lebendiger Räumlichkeit entsprechen. Immer wieder, scheint es, löst sich in ihren Bildern Farbe um Farbe auf, um den gesamten Malbelag im Unscharfen zu belassen, im wundervoll farbigen Grau. So nur kann der schmutzige Farbwert, der gebrochene Ton, ein Leuchten sein.

Denkbar ist diese Erinnerung auf den Bildern wie die Erinnerung des Einen, der jeweiligen, flüchtigen Gegenwartseinheit. Zu sehen sind aber die vielen Momente, und eben gerade die gleichzeitigen, die sich nicht nur aus der Lichtwellenaufnahmefähigkeit der Augen speist, sondern aus allen empfindsamen Folien des Lebens.

Gleichwert entspricht so die Malerei von Jin-Sook Chun dem Lebendigen, weil sie sich selbst, als Malerei, untersucht. Das Was: Die Tochter Yuna. Andere Kinder, auf Schaukeln. In den Kissen. Das Wie: Malerei, die sich über die Wirklichkeit definiert, weil sie sich täuschen kann. Weil die Malerei im Suchenden ihre Möglichkeiten nutzt und zum Eigenen wird. 
Sebastian Böhm, 2019