Große Musikalität und überwältigende Farbpracht prägen das Werk Ernst Wilhelm Nays (1902–1968). Dabei entzieht sich das Schaffen des Künstlers einer eindeutigen kunsthistorischen Zuordnung: Während die Einen in seinen Arbeiten eine Fortführung des Expressionismus sehen, schätzen Andere ihn als wichtigsten Vertreter der lyrischen Abstraktion. So bleibt Nay ein facettenreicher Künstler zwischen den Stilen, der in jüngster Zeit ein Revival auf dem internationalen Kunstmarkt feiert.

Mit der Kabinettschau „Ernst Wilhelm Nay – Arbeiten auf Papier“ entdeckt auch das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg vom 13. April bis zum 28. Juli 2019 die Werke Nays neu. Im Zentrum der Sammlungspräsentation stehen seine in der frühen Nachkriegszeit entstandenen farbgewaltigen Lithographien und Aquatinta-Blätter.

Die Schau versammelt 22 grafische Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen des Künstlers. Der chronologische Aufbau der Ausstellung lässt die Besucherinnen und Besucher teilhaben an der Entwicklung Nays: Die großformatige Tuschfederzeichnung „Ostseefischer“ (1936) sowie das 1937 in Nord-Norwegen entstandene Aquarell „Frau im Sund (Lofoten)“ geben den Auftakt. Sieveranschaulichen Nays Genese zum selbständigen Künstler. Die ausgestellten Gouachen „Männer mit Kuh III (Bukolische Szene)“ (1946), „Sitzende mit Spiegel II“ (1946) und „Figurenkomposition“(1947) zeigen, wie Nay in der Nachkriegszeit mit den Bildern der „Hekate“-Serie das Werk Pablo Picassos reflektiert. Spätestens ab Mitte der 50er Jahre avancierte Nay zu einem international gefeierten Künstler. Seine „fugalen“ und rhythmischen Bilder gehören heute zum Kanon der Kunstgeschichte. Ausstellungen in New York, eine Einzelausstellung im deutschen Pavillon der Biennale in Venedig und die Teilnahme an gleich drei documenta-Ausstellungen belegen seine Popularität zu Lebzeiten.

Höhepunkt der Kabinettschau im Prinzenpalais ist eine Serie von fünf seltenen Aquatinten, die 1957 in Paris entstanden und nur in kleinster Auflage gedruckt wurden. Nun können die lichtempfindlichen Werke für kurze Zeit im Landesmuseum Oldenburg in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Der Rundgang endet mit dem 1963 entstandenen, von großer Leichtigkeitgeprägten Aquarell „Komposition mit runden Formen“.

Die Kabinettschauen im Prinzenpalais
Mit dem Präsentationsformat der Kabinettschau befragt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg stets aufs Neue seine umfangreiche grafische Sammlung. In regelmäßigen Abständen werden die meist sehr empfindlichen Arbeiten für kurze Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Kabinettschauen sind ein temporäres Schaufenster für die vielfältige Sammlung des Museums und laden die Besucherinnen und Besucher ein, die grafischen Bestände des Landesmuseums regelmäßig neu zu entdecken.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: landesmuseum-ol.de

"Ernst Wilhelm Nay - Arbeiten auf Papier", Raumansicht 2, Foto Sven Adelaide, Landesmuseum Oldenburg
13.04. - 28.07.2019

Ernst Wilhelm Nay – Arbeiten auf Papier

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg - Prinzenpalais

Damm 1
26135 Oldenburg