„Ich taste die Akustik der Kunsthalle Mannheim ab und bringe das Atrium mit meiner Komposition zum Klingen“, erklärt William Engelen. Der gebürtige Niederländer hat auf Einladung des Kunstmuseums eine ortsspezifische Arbeit entwickelt, die der Architektur des Neubaus eine akustische Dimension hinzufügt. Seine Komposition „Partitur 32 bpm für die Kunsthalle Mannheim“ wird von acht Musiker*innen des Mannheimer Schlagwerks (Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim) mit jeweils neun Perkussionsinstrumenten unter der Leitung von Prof. Dennis Kuhn am 18.05.2019, um 19 Uhr im Atrium im Rahmen der Mannheim Music Week uraufgeführt (Eintritt frei). Ebenfalls am Samstag wird die BOX #4 eröffnet, in der die Komposition von Engelen als Videoinstallation in Klang und Bild zu sehen und zu hören ist.

Zeitgenössische und experimentelle Musik erweitert die visuelle Kunstpraxis: William Engelen ist sowohl bildender Künstler als auch Komponist. Seine Arbeit verbindet visuelle Medien und Klang. Die Musik wird in situ als Klangskulptur in der Museumsarchitektur aufgeführt. Das Publikum erlebt ein begehbares Konzert und kann die Aufführung auf allen drei Etagen durch das offene Atrium im Zentrum des Museums hören. Nach der Uraufführung ist die Musik von Engelen bis zum 14. Juli 2019 als Video- und Klanginstallation in der BOX #4 für die Museumsbesucher*innen erlebbar.

William Engelen (Jahrgang 1964) studierte an der Stadsacademie voor Toegepaste Kunsten und der Jan van Eyck Academie in Maastricht, Niederlande. Er ist bekannt für seine experimentellen und forschungsbasierten Kompositionen, die formal und thematisch herausragend sind. Sein Schaffen oszilliert zwischen Musik, Bildender Kunst, Happening, Klanginstallation und Performance. Seine ortsgebundenen Arbeiten stellen eine besondere Beziehung zwischen Raum und Klang her.

Die musikalischen Werke notiert der Niederländer in der Regel graphisch – und baut auf das Einfühlungsvermögen und die Kreativität der Aufführenden. „Meine Zeichnungen fungieren als Partitur von Notationen, als Konstruktionszeichnung, als Schriftbilder gestischer, automatischer Verdichtungen oder als Kopfpartituren, die Grenzbilder möglicher musikalischer Erlebnisse sein können – uneindeutig, loopartig, variabel und aleatorisch“, erklärt William Engelen.

Die für Mannheim geschaffene Komposition mit 32 bpm (Beats per Minute) ist Basis eines Ensemblewerkes, in dem jede*r Musiker*in als Solist*in auftritt und sich durch die Partitur navigiert. Das Stück ist in einem Raster mit 32 Spalten auf 32 Zeilen notiert, mit 1.089 Punkten in Weiß, Schwarz und in Grautönen sowie in verschieden großen Punkten, die der Betonung und Orientierung dienen. Die Musiker*innen suchen sich darin über die Dauer von 50 Minuten individuell ihren Weg, schlagen jedoch alle im gleichen Takt ihre Perkussionsinstrumente an. Zum Einsatz kommen Pauke, Gong, Triangel, Crotales, Bongo, Woodblock, Mokusho, Röhrenglocke und Kuhglocke.

Im Rahmen der Ausstellung veröffentlichen die Kunsthalle Mannheim und William Engelen gemeinsam ein Künstlerheft und eine Schallplatte, die in der Edition Telemark erscheint. Diese wird ein besonderer Teil des Kunstwerks und der Ausstellung sein, die den ephemeren Charakter von Musik in ein haptisches Format bringt und das Kunstwerk für ein öffentliches Archiv aufbewahrt. Ton und Bild werden in dieser Sonderausgabe kombiniert. Ergänzt wird der Langspieler mit einem Essay des Musiktheoretikers Björn Gottstein, Direktor des Contemporary Music Festival „Musiktage“ in Donaueschingen und Kurator des SWR-Radiosenders. (Schallplatte & Booklet, 500 Exemplare, herausgegeben von Sebastian Baden, Kunsthalle Mannheim).