Im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums der KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION präsentiert die Ausstellung Listen to the Image, Look at the Sound zum Teil neuentstandene Werke von 11 internationalen Künstler*innen, die sich in besonderer Weise mit dem Spiel zwischen Klang und Bildender Kunst beschäftigen.

Im Fokus steht vor allem der künstlerische Umgang mit visuellen und akustischen Umwelten, als deren radikaler Höhepunkt der Verzicht auf eigene musikalische Aktivitäten zugunsten der von der Straße in den Konzertsaal dringenden Klänge gelten kann, den John Cage mit seinem berühmten Werk 4’33” vollzog.

Juergen Staack lässt die Außenwelt in den Ausstellungsraum eindringen, wenn die Schritte der Besucher*innen durch die des Künstlers durch Wüstensand überlagert werden. Die akustische Außenwelt ist hier als Aufzeichnung präsent, wie eine sichtbare Landschaft auf einer Fotografie. Aber was bleibt von ihr, wenn Klänge, wie alle anderen digitalisierten Daten, beliebig manipuliert werden können? Was bleibt von Cages radikaler Geste, wenn 4’33” bei iTunes für 99 Cent herunterzuladen ist? Diese Frage stellt Sean Snyder, während Cory Arcangel den historischen Woodstock-Auftritt von Jimi Hendrix zeigt, aber wir hören und sehen eine entstellend glättende Bearbeitung durch ein Computerprogramm. Wer ist hier noch der Autor? Der Musiker, der Künstler oder der Algorithmus? Und was geschieht, wenn die Visualisierung von Musik komplett durch ein Computerprogramm gesteuert ist, wie bei Emeka Ogboh? Ist diese Übersetzung auch willkürlich und fiktiv? Das zu beurteilen, scheint nur noch Experten möglich. Und die Partituren von William Engelen können von Musiker*innen nur aufgeführt werden, wenn der Künstler sie in seine ganz persönliche Notationsweise eingeführt hat. Aber was geschieht, wenn wir sehen, wie Musik aufgeführt wird, aber diese nicht hören können, wie bei Katja Aufleger? Undentstehen auch Klänge im „inneren“ Ohr, wenn Alicja Kwade Teile von Streichinstrumenten zu einem lautlosen Stillleben arrangiert? Daneben stehen raumgreifende Installationen von Künstler*innen, die auch als Musiker*innen tätig sind. Julia Bünnagels skulpturale Arrangements stereometrischer Körper dienen als „Bühne“ für ihre elektronischen Sound-Mixes, Catherine Lorent verbindet Zeichnung und Malerei mit manipulierten Rockgitarren und Mike Hentz zeigt ein multimediales „Tableau vivant“, ausgehend von Beethovens Waldstein- Sonate. Beethoven ist auch Ausgangspunkt für Gregor Hildebrandt, der die ikonischen Aufnahme der neun Symphonien durch die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan aus dem Jahr 1963 auf Tape aufgespielt und die neue Vinyl-Edition damit gestaltet hat.