Bruno Barbey, Latifa Echakhch, Paul Fusco, Harald Hirsch, Renata Kaminska, Jean- Luc Moulène, Tania Mouraud, Oskar Nerlinger, Ludwig Rauch, Andreas Rost, Jens Rötzsch, Ines Schaber, Gundula Schulze Eldowy, David Seymour, Sylvie Ungauer, Karl Völker

Die Ausstellung widmet sich künstlerischen Reflexionen der Sichtbarkeit unterschiedlicher Protestbewegungen des 20. Jahrhunderts. Dabei stehen im Zentrum der Druckgrafiken, Fotografien, Videos und Installationen nicht die Gründe und Bedingungen, die zu unterschiedlichen Formen des gesellschaftlich und politisch relevanten Protestes geführt haben. Vielmehr zielen die Kunstwerke darauf ab, Präsenz und Konsequenzen von Protesten in öffentlichen Sphären, meist dem urbanen Raum, zu fassen.

Themen sind die Konditionen und Formen der Präsenz von Kritik. Hierbei stellen sich maßgeblich Fragen nach der Idee von „Volk“, die eine argumentative (Selbst- ) Ermächtigung der Proteste und ebenso der Protestierenden bedeutet. Denn ungeachtet des konkreten Anlasses, Grundes und Ziels von öffentlich manifestierter Kritik steht die Überzeugung einer kollektiven Relevanz.

Jede Protestbewegung konstruiert ihre Legitimation über die verbale oder visuelle Beweisführung der Bedeutung eines Themas, einer Haltung, einer Weltsicht etc. für die (vermeintlichen) Massen und ihrer Mobilisierung. Die Vorstellung von „Volk“ (das Volk, le peuple, the people usw.) zielt hierbei auf die Produktion eines homogenen Volkskörpers und dessen Wir-Gefühl ab. Das Konstrukt eines dergestalt ideologisierten, kollektiven Narratives ist jedoch immer in Teilen auch imaginär, beizeiten gar fiktiv. Während traditionellerweise in Medien, aber auch in Kunstzusammenhängen hergestellte und verbreitete Bilder gezielt zur Emphase oder zur Manipulation genutzt wurden, dient heute in erster Linie das Internet zur Beweisführung für die Bedeutsamkeit eines Anliegens.

Die in der Ausstellung Protest! versammelten Kunstwerke zeichnen reale gesellschaftspolitische Proteste in den 1920er- und 1930er-Jahren in Frankreich sowie Deutschland nach und gehen dem Phänomen der Anonymisierung von Protest auf die Spur. Sie bilden Kundgebungen im Arbeiter- und Studierendenmilieu der 1960er-Jahre ab und zeigen mit subjektivem Blick die Demonstrationen, die zum Kollaps der DDR geführt haben.
Viele der gezeigten Arbeiten sind jeweils in der Zeit entstanden, die sie gleichermaßen dokumentieren. Somit sind sie in ihrer künstlerischen Form gleichzeitig auch historische, kulturgeschichtliche Zeugnisse von Künstler*innen als Aktivist*innen.


Öffnungszeiten:
Dienstags - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Oskar Nerlinger, Novemberdemonstration (zu Ludwig Renn), 1958, Aus der Mappe: November 1918, Lithographie, BLMK © Nachlass Künstler
16.06. - 18.08.2019

Protest!

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Packhof

Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Str. 11
15230 Frankfurt (Oder)