Vom Surren begleitet, sitzt ein Cutter an seinem Schneidetisch und trennt einzelne Frames. Zu sehen sind nur seine Hände, altmodisch anmutende Maschinen und Bilder mit einem weißen Fleck: dem Venustransit.

Der Venustransit, der in gut 250 Jahren nur viermal stattfindet, konnte 1874 erstmals mit dem vom französischen Astronom Jules Janssen entwickelten »fotografischen Revolver« dokumentiert werden. Er entwickelte das Gerät, um menschliche Fehler bei der Zeitmessung des Eintritts der Venus in den Rand der Sonne zu minimieren. Janssens astronomisches Interesse prägte damit die Entwicklung des fotografischen Gewehrs Etienne Jules Mareys sowie der Kinematographen der Brüder Lumière. 

Um die mittlere Entfernung von Erde und Sonne zu berechnen, braucht es zwei unterschiedliche Beobachtungspositionen. Starling recherchierte Informationen zu den historischen Reisen, deren Erkenntnissen und Fotodokumentationen. Entstanden ist eine Geschichte der Beziehung zwischen Astronomie, Fotografie und den Anfängen des Bewegtbildes.

Ausgehend von der Idee, dass der Transit der Venus 2012 möglicherweise der letzte wäre, der auf Zelluloid festgehalten werden könne (das nächste Mal zieht die Venus 2117 vor der Sonne vorbei), reiste der britische Künstler Simon Starling nicht nur an historische Beobachtungsorte, von denen Expeditionen überliefert sind, wie Point Venus, Tahiti, 1769, und Honolulu, 1874, sondern filmte das Naturschauspiel aufwendig selbst.

Der Film »Black Drop« dokumentiert, wie jemand an einem traditionellen Schnittplatz Filmmaterial sichtet, sortiert, schneidet und so versucht, dem Material Struktur und Ordnung zu geben: Wir sehen historische Aufnahmen aus Archiven und Neues von exotischen Orten, riesige Teleskope in entlegenen Landschaften. Dieser Editor schneidet und stückelt Bilder, bis sich Zeit- und Raumebenen vermischen und eine komplexe Erzählung einen Bogen spannt zu großen Entfernungen und epischen Reisen. Technikgeschichte und Sternenfaszination ergänzen die gefundenen Geschichten. Jede der Aufnahmen von Simon Starling besticht durch ihre Präzession.


Simon Starling (geboren 1967, lebt in Glasgow und Berlin) gewann 2005 den renommierten Turner Prize und vertrat Schottland 2003 auf der Biennale von Venedig. Ausstellungsauswahl: Musée d'Art Contemporain, Montréal; Museum of Contemporary Art, Chicago; Moderna Museet, Stockholm; Institut für moderne Kunst, Brisbane und die Duveen Galerien, Tate Britain, Museum Folkwang, Essen; Portikus, Frankfurt.