Nevin Aladag, 1972 in der Türkei geboren, ist in Deutschland (Stuttgart) aufgewachsen. Sie hat bei Olaf Metzel in München an der Akademie der Bildenden Künste studiert. Heute lebt sie in Berlin.

2017 nahm Nevin Aladag an der documenta und der Biennale in Venedig teil. Ihr „Musikzimmer“ aus zu Instrumenten umgebauten Möbeln am documenta-Standort Athen erhielt große mediale Aufmerksamkeit.

Schwerpunkte des multimedialen Werks sind neben skulpturalen Arbeiten Installationen, Videos, Sound und Performances. Nevin Aladags thematischer Fokus richtet sich dabei auf Interaktions- und Transformationsprozesse unserer aktuellen, von Diversität geprägten Gesellschaft. Obwohl ihr Werk wiederholt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Debatten um kulturelle Identität und Migration interpretiert wurde, unterläuft sie diese Sichtweise mit medienreflexiv und ästhetisch komplexen Arbeiten. Soziale und kulturelle Identität zeigen sich in ihrem Œuvre als ein offener, prinzipiell unabschließbarer Prozess mit zahlreichen hybriden sowie heterogenen Erscheinungsformen.

Ausgangspunkt der künstlerischen Praxis von Nevin Aladag bilden Gegenstände des täglichen Gebrauchs ebenso wie alltägliche Situationen und Handlungen. Ihr Interesse gilt den kulturellen und politischen Bedeutungen, die sich mit ihrer Herkunft und Geschichte verbinden. Indem die Künstlerin Gegenstände aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang löst, umdeutet und dysfunktional macht, ändert sie ihre Lesart und verweist auf die vielfältigen Aspekte ihrer Funktion und Nutzung. Über ihre Ästhetik hinaus werden so ideologische, politische und kulturelle Konnotationen sichtbar.

Musik, Tanz und Spiel als kulturelle Artikulationen sind ein weiteres zentrales Thema von Nevin Aladag. In ihren Videos und Performances nutzt sie u.a. den öffentlichen Raum als Handlungsort, in dem sich das Private mit dem Sozialen und Politischen überschneidet.

Die Ausstellung im Mönchehaus Museum gibt mit 20 Arbeiten aus Werkserien der letzten Jahre („Stiletto“, „Makramé“, „Social Fabric“, „Jali“, 2017-2019) und dem Video „Traces“ (2015) einen Überblick über das Gesamtwerk. Speziell für die Ausstellung entstand ein neues Musikzimmer mit Zymbals und Perkussionsinstrumenten sowie neue Werke der Serie „Jali“.