Mit Werken von Gerhard Altenbourg, Walter Arnold, Ernst Barlach, Rolf Biebl, Gerhard Bondzin, Fritz Cremer, Heinrich Drake, Wilfried Fitzenreiter, Wieland Förster, Moritz Götze, Hans Grundig, Lea Grundig, Bernhard Heisig, Gerd Jaeger, Jo Jastram, Michael Jastram, Käthe Kollwitz, Roger Loewig, Frank Maasdorf, A.R. Penck, Wolfgang Petrovsky, Arno Rink, Wilhelm Rudolph, Baldur Schönfelder, Otto Schubert, Klaus Schwabe, Werner Stötzer, Erika Stürmer- Alex, Hendrik Tauché, Dieter Tucholke, Frank Voigt, Wolf Vostell, Christiane Wartenberg, Winfried Wolk

Am Sonntag, 4.8.2019, 11 Uhr, lädt das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) zur Eröffnung der Ausstellung „Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert“ in der Rathaushalle Frankfurt (Oder) ein (Marktplatz 1). Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei. Die Ausstellung ist die erste Präsentation des BLMK, die sich in zwei Kapiteln über die beiden Museumsstandorte Frankfurt (Oder) und Cottbus erstreckt. In Frankfurt (Oder) kann sie bis zum 13.10.2019 besucht werden, in Cottbus bis 29.9.2019.

Die in der Ausstellung versammelten Kunstwerke sind Reaktionen von Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland auf todbringende Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Die Zeitspanne der Exposition erstreckt sich vom Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zu den 1970er-Jahren. Dabei fiel die Wahl auf 35 Künstler*innen – 12 werden in Cottbus vorgestellt – mit etwa 180 Blättern und 20 Skulpturen aus der Sammlung des BLMK.

Das 20. Jahrhundert wurde geprägt durch zwei Weltkriege, durch wirtschaftliche, politische und ideologische Krisen, durch Revolutionen, Massenmorde und Diktaturen. Ebenso gab es Epochen einer längeren Friedenszeit, die vor allem nach 1945 einsetzte. Die Kunst reagiert und reagierte mit differenzierten Darstellungsweisen: Wie schon im 19. Jahrhundert wurde das Kämpfen und Sterben für eine Nation, eine Idee, eine Gemeinschaft glorifiziert. Dem entgegen positionierten sich die Opfer der Hetze und des Krieges zum bildlichen Gegenschlag. Fotografie und Film bedingten den Trend zur Zeitzeugenschaft, zum „sachlichen“ Schildern. Wesentlich war die Hinwendung zu einer Entlarvung des wahren Gesichtes des Krieges. Nicht das Pathetische und Heroische im Kampf, sondern das Aufzeigen des Elends und des Leides geriet zur ethischen Initialzündung für kritisch eingestellte Künstler*innen.

Zwei wesentliche Werkstrategien der Künstler*innen sind auszumachen: Sie reagieren einerseits zeitlich aktuell auf Ereignisse, wie Ernst Barlach und Otto Schubert mit ihren Lithografien auf den Ersten Weltkrieg sowie Hans und Lea Grundig mit parabelartigen Radierungen auf den faschistischen Terror in den 1930er- Jahren. Gleiches gilt für Wilhelm Rudolph, der das zerstörte Dresden zeichnete und in Holz schnitt, sowie für Wolf Vostell und Gerhard Bondzin, sie kommentierten in Ost- wie Westdeutschland die militärische Invasion der USA in Vietnam. Winfried Wolk reagierte mit Bildformen im Siebdruck auf den Militärputsch in Chile 1973. Andererseits kann es zum Reflektieren vergangener Ereignisse kommen, ebenso können Literatur und Mythen Impulse für Bildfindungen geben. Berühmt ist Käthe Kollwitz Zyklus „Der Weberaufstand“ (1897) nach dem Drama „Die Weber“ (1892) von Gerhard Hauptmann. Weniger bekannt sind die lithografischen „Epitaphe“ (1972) auf den Holocaust von Roger Loewig, der als erster deutscher Künstler mit diesem Zyklus 1992 im Staatlichen Museum des ehemaligen KZ Auschwitz ausstellen durfte. Moritz Götze und Hendrik Touché zeichneten zum Mythos der Nibelungen farbprächtige Szenerien für ihre Siebdruckserie. Zum 50. Jahrestag der russischen sozialistischen Oktoberrevolution schuf Gerd Jaeger 1967 das Zementrelief „Oktoberrevolution“. Er stellt die Gewalt als Mittel zum Zweck für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung dar – ganz im Sinne der kulturpolitischen Vorgaben in der DDR.

Während die Grafiken in der Regel auf konkrete historische Ereignisse Bezug nehmen und auf kollektive Traumata von Krieg und Gewalt verweisen, zielen die Skulpturen durch ihre Physis auf die Vergegenwärtigung einer anderen, vielfach individuelleren, geradezu spürbaren Leiderfahrung ab. De Plastiken und Objekte stören die Chronologie der Bildhängung: Frank Maasdorfs keulenförmige „Bedrohung“ von 1980 taucht in den 1930er-Jahren auf, eine Pferdedarstellung von 1971 von Jo Jastram korrespondiert mit dem Hans Grundig-Zyklus „Tiere und Menschen“ von 1936 und Dieter Tucholkes Objekt „... zur preußischen Geschichte“ (1979/80) ragt in die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts hinein.

Die Ausstellung „Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert“ ist die erste Präsentation im BLMK, die sich in zwei Kapiteln über beide Museumsstandorte in Frankfurt (Oder) und Cottbus erstreckt. Einige Künstler*innen wie Hans Grundig, Lea Grundig, Käthe Kollwitz, Wilhelm Rudolph, Wolfgang Petrovsky und Frank Voigt sind in Cottbus und in Frankfurt (Oder) präsent. Erika Stürmer-Alex, Wieland Förster, Walter Arnold und Gerhard Bondzin werden u. a. in Cottbus vorgestellt; in Frankfurt (Oder) u. a. A.R. Penck, Otto Schubert, Leo Haas, Bernhard Heisig, Arno Rink, Baldur Schönfelder. Die in Cottbus gezeigten Positionen sind nicht nur eine Erweiterung der Präsentation in Frankfurt (Oder). Vielmehr sind sie als korrespondierende Bild-Rauminstallation zum parallel ausgestellten Projekt „Die Anderen sind Wir. Bilder einer dissonanten Gesellschaft“ (17.8.–13.10.) deutbar.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Gerhard Bondzin, "Unbesiegt", Aus dem Zyklus "Vietnam", Blatt 4, 1965, Holzschnitt © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
04.08. - 29.09.2019

Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert Grafische Zyklen und Skulpturen aus der Sammlung des BLMK

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Dieselkraftwerk

Uferstraße / Am Amtsteich 15
03046 Cottbus