Die Allgegenwärtigkeit der Vergangenheit spiegelt sich in den Werken des Malers, Grafikers, Emaille- und Installationskünstlers Moritz Götze. Geboren 1964 in Halle an der Saale, war Götze zunächst ein Vertreter der inoffiziellen Kulturszene der DDR, organisierte Punk-Festivals und betrieb ab 1985 eine Grafikwerkstatt. In seinen aktuellen Arbeiten findet sich ein Crossover historischer Bildmotive, alltäglicher Gegenstände und comicartiger Elemente. Die Ausstellung in der Kunsthalle Wilhelmshaven zeigt großformatige Arbeiten, die Bildmotive von Albrecht Dürer, Anton von Werner und Johann Gottfried Schadow aufgreifen. Daneben finden sich großräumige Installationen und Emaille-Arbeiten, die Götze in der Auseinandersetzung mit der Geschichte Wilhelmshavens geschaffen hat.

Vergangenes ist nie wirklich vorbei. Historische Ereignisse oder Personen drängen sich von Zeit zu Zeit an die Oberfläche der Gegenwart, tauchen auf in Bildern, Worten, Klängen, behaupten für Momente ihre Präsenz und versinken dann erneut in den Untiefen der Geschichte. Ähnlich wie die Schiffe der Kaiserlichen Hochseeflotte in Scapa Flow, die mit dem Jubiläum 2019 ihre Wiederkehr erleben, bevor sie mutmaßlich einem erneuten Vergessen entgegentreiben. Wir stark die Präsenz des Vergangenen erlebt wird, ist immer idividuell. In Moritz Götze jedenfalls haben historische Ereignisse, Konzepte, Personen und vor allem deren visuelle Zeugnisse ihr Medium gefunden, denn in seinem Werk durchdringen sich die verschiedenen „Zeitschichten“ mühelos, subversiv, heiter und anspielungsreich. So wird Vergangenes gegenwärtig, vermischt sich mit Zeitgenössischem und nimmt ein neues Leben an. Auf Malerei, Grafik, Emaillie-Arbeiten und in Installationen erscheint ein Bilderstrudel, der seinesgleichen sucht. Ikonisch gewordene Historienbilder – die in das vielbemühte „kollektive Gedächtnis eingebrannt“ sind – holt Götze zurück in die Gegenwart, unterzieht sie einer brachialen Pop-Überarbeitung und setzt sie einer neuen Überprüfung durch den Betrachter aus.

In Moritz Götzes Ausstellung Götzendämmerung in der Kunsthalle Wilhelmshaven finden sich – abgesehen von der Anspielung auf den Nachnamen des Künstlers – die uns fremd (gewordenen) „Gottheiten“ der deutschen Historie als lose assoziativer Reigen zusammen. Die Ausstellung zeigt neben vielfachen geschichtlichen Bezügen und Anspielungen auch die ganze Spannbreite von Götzes künstlerischem Schaffen: Malerei, Emaille-Arbeiten, Installation, Grafik, Musik und Aktion. Dass die Protagonisten der Ausstellung allesamt miteinander untergehen, darf jedoch bezweifelt werden – hat Götze ihnen doch gerade erst ein neues Leben eingehaucht.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Deutschen Marinemuseum Wilhelmshaven.