Bildbeschriftungen sind die grundlegendste Form der Vermittlung und der Kommunikation mit dem Besucher*innen in einem Kunstmuseum. Mal puristisch designt, mal selbst wie kleine Kunstwerke gestaltet, mal knapp gehalten, mal mitteilsam spiegeln sie Sammlungs- und Zeitgeschichte und sind stets auch Ausdruck dessen, was zu verschiedenen Zeiten als Funktion des Museums erachtet wird. In ihrer bald 200jähringen Geschichte hat die Gemäldegalerie verschiedenste Formen von Bildbeschriftungen hervorgebracht, die nun erstmals in einer Kabinettausstellung historisch aufbereitet und in einem Zusammenspiel von Archivmaterial, Kunstwerken und historischen Raumaufnahmen in ihrem zeitgenössischen Bedeutungskontext präsentiert werden.

Das Augenmerk liegt zunächst auf der Frühphase der Galerie im heutigen Alten Museum. Infolge der dichten Hängung der Gemälde fand die Beschilderung ihren Platz auf den Bildrahmen. Dort angebrachte Nummern verwiesen auf den entsprechenden Eintrag im Handkatalog, was weitreichende Folgen haben sollte: So arbeitet die Gemäldegalerie bis heute mit„Katalognummern“ an Stelle von Inventarnummern.

Ab den 1870er-Jahren bemühte man sich im Zusammenhang mit einem Umbau der Galerie und angesichts der inzwischen weiterentwickelten Kennerschaft um ausführlichere Beschriftungen an den Rahmen. Diesveranlasste Julius Meyer gar zu einer Denkschrift „Über die Gesichtspunkte, nach denen bei der Anheftung von Namenstafeln an den Bildernselber zu verfahren ist“.

Mit dem Umzug in das Kaiser-Friedrich-Museum wurden Bildbeschriftungen erstmals an den Wänden neben den Werken angebracht. Dass auf den neuen Schildern auch die Stifter der Bilder genannt wurden, muss im Kontext der nur wenige Jahre zuvor erfolgten Gründung des Kaiser Friedrich Museumsvereins gesehen werden.

Die Jahre des NS-Regimes hingegen sind von der Entfernung der Namen jüdischer Stifter von just diesen Schildern geprägt. Anschaulich wird dies an einem Aktendokument, in dem das Abtrennen jüdischer Stifternamen von den Schildern sowie die Auflösung des James Simon Kabinetts diskutiert werden, womit sich in der Ausstellung auch eine Querverbindung zur Wiedereinrichtung des James-Simon-Kabinetts im Bode-Museum ergibt.

Handgeschriebene Schilder lassen wiederum die prekäre Lage der Museen in den Nachkriegsjahren erahnen. Die vergangenen 40 Jahre öffnen schließlich ein Spannungsfeld zwischen Audioguides, didaktischen Texten und stark reduzierter, nüchterner Beschriftung.

Die Sonderpräsentation zeigt einzeln erhaltene historische Schilder sowie Gemälde, die noch ihre historische Beschriftung am Rahmen tragen. Neben einer Leihgabe aus dem Kupferstichkabinett (Karl Friedrich Schinkels Kupferstich „Altes Museum am Lustgarten. Querschnitt des Gebäudes“von 1858) werden außerdem Einrichtungs- und Instandhaltungsakten der Gemäldegalerie sowie historische Raumaufnahmen aus den Beständen des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu sehen sein.


Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum

Verschiedene Bildbeschriftungen und Schilder der Gemäldegalerie, 1830-1998, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
02.07. - 29.09.2019

Schilder einer Ausstellung. Bildbeschriftungen der Gemäldegalerie von 1830 bis heute

Gemäldegalerie

Matthäikirchplatz
10785 Berlin