KÜNSTLER*INNEN:
Sophia Al-Maria, Morehshin Allahyari, Meriem Bennani, Pauline Boudry / Renate Lorenz, A.K. Burns, Dorota Gaweda und Egle Kulbokaite, Sky Hopinka, Rindon Johnson, Chelsea Knight, Trinh T. Minh-ha, Arjuna Neuman & Denise Ferreira da Silva, Colin Self, Martine Syms, Jon Wang, Eduardo Williams, Anna Zett.

Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen zeigt die JULIA STOSCHEK COLLECTION ein kuratiertes Programm aus Einzelausstellungen, Performances und Screenings von Werken internationaler Künstler*innen, die nicht Teil der Sammlung sind und größtenteils zum ersten Mal in Deutschland ausstellen. Im Verlauf eines Jahres werden sechs Ausstellungen präsentiert – drei in Düsseldorf und drei in Berlin –, die von März 2019 bis April 2020 nacheinander eröffnen. Begleitend finden an beiden Ausstellungsorten Film- und Performance-Veranstaltungen sowie Künstlergespräche, Vorträge und Lesungen statt.

horizontal vertigo umfasst Neuproduktionen wie auch bereits existierende Arbeiten einer Gruppe internationaler Künstler*innen, deren interdisziplinäre und zeitbasierte Kunst von feministischen, queeren und dekolonialen Perspektiven geprägt ist, und die in ihrer Arbeit restriktive Konzepte von Identität, Geschichte und Repräsentation aufbrechen. Die Ausstellungen und Veranstaltungen folgen keinem übergeordneten Thema, sondern entstehen in einem spezifischen Kontext aus dem Werk der jeweiligen Künstler*innen. So entwickelt sich im Laufe der Zeit ein fluides und mehrdeutiges Netz aus Assoziationen und Geschichten.

Den Impuls für den kuratorischen Rahmen dieser einjährigen Serie gaben die poetisch- politischen Schriften der Autorin, Künstlerin und Filmemacherin Trinh T. Minh-ha. Der titelgebende Begriff horizontal vertigo entstammt ihrem Essay Cotton and Iron aus dem Jahr 1991, in dem Minh-ha den Gedanken der Pluralität und das Paradox der „Nicht- Totalisierbarkeit“ (non-totalness) in den Fokus rückt und im Zuge dessen Systeme binärer Opposition und eingrenzende Kategorisierung kritisch hinterfragt. Wenn wir versuchen, die etablierten Modelle und Codes hinter uns zu lassen, summiert sich die Pluralität der Möglichkeiten zu einer undefinierbaren Größe, die in ihrer Gesamtheit unmöglich zu erfassen ist. Der Wunsch, diese Nicht-Totalisierbarkeit zu begreifen, lässt uns in einen unendlichen horizontalen Strudel („horizontal vertigo“) eintauchen, in dem man zwischen Erstaunen und tiefer Abneigung und Angst immer wieder im Dunkeln tappt. Wer sich zum unendlichen Fortschritt bekennt wird folglich feststellen müssen, dass dieses Unendliche gleichzeitig jeden (rationalen) Gedanken von Fortschritt unterminiert, so Minh-ha.

„So verfolgt horizontal vertigo kein übergeordnetes Thema und speist sich aus dieser Hinwendung zum unendlich Wandelbaren“, sagt Kuratorin Lisa Long. „Das Jahresprogramm lebt von der Vielfalt an Erzählweisen und Erzählenden. Jede Arbeit und jede Ausstellung steht für sich, und gleichzeitig möchte ich diese Pluralität als ein Ganzes erfassen. Dabei gibt es nicht die eine „richtige“ Lesart. horizontal vertigo spricht daher nicht über die teilnehmenden Künstler*innen sondern im Sinne Minh-has zu ihnen, um einen Dialog eröffnen.“

horizontal vertigo wird kuratiert von Lisa Long (geb. 1988 in Kalifornien, USA). Erstmalig in der zehnjährigen Sammlungsgeschichte übernimmt damit eine externe Kuratorin die Konzeption des kompletten Jahresprogramms der Sammlung. Long lebt und arbeitet als freie Kuratorin und Autorin im Rheinland. Sie studierte an der Universität zu Köln und am Center for Curatorial Studies, Bard College (CCS Bard) in New York. Sowohl in den USA als auch in Deutschland hat Long Gruppen- und Einzelausstellungen sowie Events realisiert u. a. mit Werken von Julie Becker, Patty Chang, Anna Griz, Chris Kraus, Peter Miller, Katharina Monka, Marina Rosenfeld, Cindy Sherman und Carolee Schneemann.


Öffnungszeiten:
Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: julia-stoschek-collection.net