Die JULIA STOSCHEK COLLECTION freut sich, die erste institutionelle Einzelausstellung der New Yorker Künstlerin A.K. BURNS in Deutschland zu präsentieren. 

Ausgangspunkt von A.K. Burns interdisziplinärer Praxis ist der menschliche Körper, der vor dem Hintergrund des Neuen Materialismus sowie aktueller queerer und feministischer Theorien zum kontrovers umkämpften Schauplatz soziopolitischer Verhandlungen wird.
 Die Ausstellung Negative Space besteht aus drei groß angelegten Mehrkanal-Videoinstallationen, die Teil eines fortlaufenden Zyklus mit demselben Titel sind. Es handelt sich um die bislang umfangreichste Präsentation der Serie. Neben A Smeary Spot (Negative Space 0) (2015) und Living Room (Negative Space 00) (2017) umfasst die Ausstellung auch Leave No Trace (Negative Space 000) (2019), ein neues Werk, das erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die Ausstellung wird ergänzt durch Zeichnungen sowie durch einen Film, der dem Phänomen der totalen Sonnenfinsternis nachgeht, und einer experimentellen Soundarbeit, die als Schallplatte präsentiert wird.In der Kunst bezeichnet der negative Raum die Leer-, Zwischen- und Hohlräume, die ein Objekt umgeben. Der Ausstellungstitel greift diesen Begriff auf, um über das nicht vorhandene Subjekt (nonsubject) zu sprechen. Während der Positivraum, also das Greifbare, meist im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit steht, bleibt der Negativraum undefiniert und wandelbar. Burns verwendet diesen Begriff, um gewohnte Sichtweisen zu überdenken, aber auch als Analogie für die Macht, aus einer weniger sichtbaren, unterworfenen Position heraus zu handeln.Infolgedessen eröffnet Burns alternative Welten, in denen hierarchische Beziehungen nicht festgefahren sind, sondern sich stetig verändern. Wie in der Science-Fiction üblich erforscht die Künstlerin auf spielerische Art und Weise den Raum zwischen Politik und Fantasie, wodurch eigenwillige allegorische Bilder entstehen. Diese Welten sind bewusst in eine spekulative Gegenwart eingebettet, die vom Müll und Dreck unserer Zeit gekennzeichnet ist. Burns hinterfragt dabei, wie unsere Werte in Bezug auf Ressourcen, Umwelt und marginalisierte Körper enstehen und geteilt werden.Den Auftakt der titelgebenden Serie bildet die Vierkanal-Videoinstallation A Smeary Spot (Negative Space 0). Die Handlung spielt an zwei unterschiedlichen Orten: in den Weiten der Wüste im südlichen US-Bundesstaat Utah und in der Blackbox eines Theaters. Verschiedene Darsteller*innen betreten die Schauplätze und entwickeln darin eine nicht-lineare Erzählung, die sich aus angeeigneten und modifizierten Textquellen zusammensetzt. Aus der Vielstimmigkeit der Sprecher*innen entwickelt sich ein Manifest, in dem Fluidität und Differenz eine neue Grundlage des Zusammenlebens bilden.Als zweiter Teil des Zyklus folgt die Zweikanal-Videoinstallation Living Room (Negative Space 00), die den menschlichen Körper als Ressource zeigt, die einerseits ausgebeutet wird, aber dennoch über eine gewisse Handlungsmacht verfügt. Das Video wurde im Inneren eines Gebäudes gefilmt, in dem jeder Raum einen Teil eines Organismus symbolisiert. So verwandelt sich das Wohnzimmer in einen traumähnlichen Ort, wie er in der Psyche eines Kindes existiert. Das Treppenhaus ist ein Durchgangsort, durch den Abfall geschleust wird, vergleichbar mit dem menschlichen Darm. Das Bad dient der Entgiftung und erinnert in seiner Funktion an die menschlichen Nieren. Das Kellergeschoss wird schließlich als Gebärmutter gesehen; es repräsentiert das Fundament für eine Leben stiftende Choreografie.Die Videoinstallation Leave No Trace (Negative Space 000), der neueste Teil der Serie, eröffnet einen Dialog zwischen dem Drang zur Konstruktion, dem Potenzial der Leere und dem Raster als Organisationsprinzip. Die Arbeit greift abermals auf Orte, Requisiten und Figuren zurück, die schon in den beiden vorherigen Episoden der Serie eingeführt worden sind. Während die verschiedenen Erzählstränge aufeinander zulaufen, versammeln sich die Performer*innen auf einer vermüllten Plattform im Freien, die an eine Militärbasis grenzt. Sie machen diese zu ihrer Bühne, auf der sie tanzen und Formen des spielerischen Protests ausprobieren.Der Soundtrack zu allen drei Teilen des Zyklus stammt von Geo Wyeth; Living Room (Negative Space 00) beinhaltet eine Choreografie von NIC Kay. Burns kollaboriert zudem kontinuierlich mit einer Reihe von Künstler*innen, die auch in ihren Videos performen. Die Produktion von Leave No Trace (Negative Space 000) wurde von der JULIA STOSCHEK COLLECTION unterstützt und entstand in Zusammenarbeit mit EMPAC Curtis R. Priem Zentrum für experimentelle Medien und darstellende Kunst in Troy, New York.Kürzlich wurde A.K. Burns und A. L. Steiners gemeinsames Video Community Action Center (2010) von der New York Times als eines der fünfundzwanzig wichtigsten zeitgenössischen Kunstwerke ausgezeichnet. Diese Arbeit wird vom 15. bis 17. November 2019 in der JSC Düsseldorf gezeigt.NEGATIVE SPACE ist Teil des einjährigen Programms horizontal vertigo in der JULIA STOSCHEK COLLECTION in Düsseldorf und Berlin, kuratiert von Lisa Long.

Gefördert von der Landeshauptstadt Düsseldorf.


Öffnungszeiten:
Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: julia-stoschek-collection.net