»Und das erste [Gipsmodell von einem lebensgroßen] Pferd kommt nächstens, ich werde die große Striegelbürste bereithalten, die Details zusammenstreichen. Aber zum Vollenden gehört Zeit und ein ‚Charakter von Stahl‘!« Diese Worte schrieb Gerhard Marcks (1889–1981) im Januar 1943 an einen Freund, den Architekten und Fotografen Erich Consemüller (1902–1957).

Das Zitat kennzeichnet Marcks’ Arbeitsweise und seine Haltung zum bildnerischen Detail. Einerseits setzte er sich in zahlreichen Detailzeichnungen intensiv mit der plastischen Struktur von Körpern auseinander. Andererseits drängte er Details in der modellierten Plastik zurück, indem er das Gipsmodell abschließend überarbeitete. Details sollten die große Form unterstützen, durften aber nicht zu naturalistisch sein und sich nicht in den Vordergrund der Wahrnehmung schieben.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein bisher unbekanntes Gipsköpfchen, das Ende der 1940er-Jahre aus dem Schutt des zerstörten Atelierhauses von Gerhard Marcks geborgen wurde. Es ähnelt dem Kopf des »Grimoald«, weist aber doch eklatante Unterschiede, z. B. in der Behandlung der Haare auf. Von dieser Beobachtung ausgehend, verfolgt die Ausstellung vier Stränge: Jünglingsdarstellungen aus den 1940er-Jahren, zeichnerische Studien, Köpfe und eine auf das Detail fokussierende Intervention der im Pavillon ausstellenden Künstlerin Annette Voigt (geb. 1957).