Druckgrafik – das klingt nach Kunst und nach Handwerk. Es schwingt die Massenproduktion mit, eine große Verbreitung und ein erschwinglicher Kaufpreis. Heute ist die Fotografie das Medium der Information und Illustration, früher war es die Druckgrafik, die Inhalte und Ideen über Bilder verbreitete.

1.100 grafische Werke sind in der Sammlung im Willy-Brandt-Haus verzeichnet. Einen Ausschnitt der Entwicklung der Druckgrafik von 1910 bis 2010 zeigt die Ausstellung Drucksache – Kunst in Serie. Mehr als 100 Werke aus 100 Jahren: Holz- und Linolschnitt, Lithographie, Radierung, Siebdruck, Monotypie und Digitaldruck.

Viele Arbeiten beziehen Stellung, zeigen die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit oder die Visionen und Wünsche der Künstlerinnen und Künstler. Beispiele von George Grosz oder Gerd Arntz haben eine klare gesellschaftspolitische Botschaft, Werke der Gruppe Clara Mosch dokumentieren den Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung jenseits des Kulturapparats der DDR.

Das Interesse an der Druckgrafik bleibt in der DDR groß. Die klassischen Techniken gehören zum regulären Ausbildungskanon für Künstlerinnen und Künstler. Der Künstler ist auch ein Handwerker, der seine Fähigkeiten in den Dienst der Vermittlung des sozialistischen Realismus stellen soll. Grafiker, Maler, Arbeiter – letztlich soll es keine (Klassen-) Unterschiede geben.

Im Westen dagegen dominiert eine elitäre Sicht auf das Künstlergenie, in Abgrenzung zum Kunsthandwerk. Das Einzelstück zählt (besonders auf dem Kunstmarkt) mehr als das Auflagenwerk. Der Siegeszug des Siebdrucks ebnet der Druckgrafik auch in Wellen den Weg zurück auf den Kunstmarkt. Ab den 1970er Jahren rücken deshalb die druckgrafischen Techniken als gleichberechtigte Kunstfor- men wieder stärker in den Fokus. Nur die Auflagenhöhen werden deutlich kleiner, oft sind es nur eini- ge wenige Drucke, die aus der Vorlage entstehen.

Zu den analogen Druckverfahren kommen in jüngster Zeit auch digitale Möglichkeiten. Dadurch wird die verlustfreie Reproduktion ins Unendliche gesteigert. Zeitgenössische Positionen zeugen von großer Experimentierfreude, aber auch von der Rückbesinnung auf klassische Methoden.

Die Ausstellung zeigt Werke von Gerhard Altenbourg, Max Beckmann, Carlfriedrich Claus, Conrad Felixmüller, Bernhard Heisig, Michael Morgner, Max Schwimmer und vielen mehr.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr
Hinweis: Ausweis erforderlich

Weitere Informationen direkt unter: fkwbh.de

Gruppe Clara Mosch, Siebdruck, 1982 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
05.07. - 24.10.2019

Drucksache – Kunst in Serie. Grafik aus der Sammlung im Willy-Brandt-Haus

Willy-Brandt-Haus

Stresemannstr. 28
10963 Berlin