Das Museum Folkwang nimmt mit der medienübergreifenden Ausstellung „Der montierte Mensch“ das ambivalente Verhältnis von Mensch und Maschine in den Blick. Ausgehend von den aktuellen Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz und Digitalisierung schlägt die Schau einen Bogen durch die Kunstgeschichte der letzten 120 Jahre und zeigt herausragende Werke der Klassischen Moderne sowie bedeutende Positionen der Nachkriegskunst und der Gegenwartskunst – von Fernand Léger bis Ed Atkins.

Die Ausstellung „Der montierte Mensch“ versammelt mehr als 200 Werke von über 100 Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Maschine auseinandersetzen. Zu den vertretenen Positionen zählen u. a. Bettina von Arnim, Willi Baumeister, Marcel Duchamp, Max Ernst, Rebecca Horn, Wassily Kandinsky, Maria Lassnig, René Magritte und Nam June Paik. In 18 Kapiteln werden Themen wie Fortschrittsglaube, Kriegstechnologie, der Staat als Megamaschine oder Künstliche Intelligenz verhandelt. Gezeigt werden Malerei, Skulptur und Grafik, frühe fotografische Experimente, Installationen, Filme und aktuelle digitale Arbeiten. Die lose chronologische Anordnung ermöglicht es, übergeordnete Zusammenhänge und Brüche wie die beiden Weltkriege oder die kybernetische Wende zu erkennen. Die wiederkehrenden Vorstellungen reichen von utopischer Zukunftshoffnung und der Aussicht auf eine bessere Welt, über die Angst vor dem Kontrollverlust bis zur Sorge, der Mensch könne durch die von ihm geschaffenen Maschinen ersetzt werden. 

Diese Ambivalenz zeigt sich auch in künstlerischen Positionen vor 1945. Die industrielle Revolution ist die Geburtsstunde des ‚montierten Menschen‘, wie es der Kulturwissenschaftler Bernd Stiegler auf den Begriff gebracht hat. Der Takt der Maschinen gibt einen neuen Rhythmus für den Menschen vor – der Mensch wird zur Arbeitsmaschine. Fotografische Dokumente aus dem Historischen Archiv Krupp zeugen von der Bedeutung dieses Wandels im Ruhrgebiet. Den Auftakt des Ausstellungsparcours bilden Meisterwerke von u. a. Giacomo Balla, Marcel Duchamp, El Lissitzky und Fernand Léger. Umberto Boccionis Maschinenfigur von 1913 schreitet gleich zu Beginn forsch in die Zukunft; als Futurist begrüßt er die technologischen Entwicklungen und das Tempo jener Zeit. Fernand Léger zeigt 1920 den Arbeiter als stolze und souveräne Figur, drei weitere Werke verdeutlichen sein vielschichtiges Verständnis vom mechanisierten Menschen. Den positiven Betrachtungen der Mensch-Maschine-Beziehung werden kritische Positionen gegenübergestellt: Angesichts der Schrecken des Ersten Weltkrieges lässt Otto Dix den Menschen auf dem Gemälde „Der Krieg“ zwischen Waffen und Kriegsgerät verschwinden. George Grosz und John Heartfield schaffen mit der dadaistischen Assemblage „Wildgewordener Spießer Heartfield“ eine geschundene, menschen-ähnliche Kreatur ohne jegliche Individualität und kritisieren so die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die Gesellschaft.

In der Ausstellung sind zudem mehr als 20 filmische Arbeiten zu sehen: vom legendären Film über das Stahlwerk Poldihütte in Tschechien aus dem Jahr 1916, über Überwachungs- und Kriegstechnologie in Harun Farockis „Eye/Machine“ und dem für die Ausstellung neu geschnittenen „Tanz aus Eisen“ von Alexander Kluge bis zu Sidsel Meineche Hansens „Seroquel“.

Die Auswirkungen des Krieges verarbeiten Künstler wie Roy Lichtenstein und Konrad Klapheck. Zeitgleich ist die Kybernetik auf dem Vormarsch und stößt gesellschaftliche wie auch künstlerische Veränderungen an: Nicolas Schöffer entwickelt interaktive Skulpturen, Künstler wie John Cage und Robert Rauschenberg kollaborieren mit Ingenieuren für die „9 Evenings“ in New York. Damit übertragen sie die kybernetische Idee des „Feedbacks“ – die Reaktion des Objekts auf seine Umgebung – in die Kunst. 

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Positionen von Künstlerinnen. Ella Bergmann-Michel setzt sich bereits in den 1920er Jahren mit dem Thema „Mensch und Maschine“ auseinander. Ihr folgen Künstlerinnen in den 1960er und 1970er Jahren, die dem überwiegend männlich geprägten Bild des Maschinenmanns oder auch der mechanischen, sexualisierten Frau neue, weibliche Technikkörper hinzufügen: Kiki Kogelnik zeigt mit ihren an die Pop-Art angelehnten Werken den weiblichen Körper als Produkt. Lynn Hershman Leeson und Helen Chadwick verbinden ihn mit technologischen Alltagsgeräten und kritisieren die fast unwillkürliche Verbindung zwischen Mann und Maschine, die derjenigen zwischen Frau und Küchengeräten gegenüber steht.

Wenn Jean Tinguely bereits mit seiner Malmaschine „Méta-Matic No. 10“ von 1959 die Technik zum Akteur macht, führt der Malroboter in der Installation von Goshka Macuga und Patrick Tresset aus dem Jahr 2017 („Before the Beginning and After the End“), dies folgerichtig weiter, indem er permanent zeichnet. Zeitgenössische Positionen von Trevor Paglen, Tony Oursler oder Avery Singer setzen sich mit den Möglichkeiten des digitalen Zeitalters auseinander und übertragen diese Ansätze in die Gegenwart. So erschafft die von Paglen trainierte Künstliche Intelligenz eigene Bilder nach Stichworten. Damit steht die Frage im Raum, ob KI kreative Prozesse übernehmen kann.

Die Ausstellung umfasst zahlreiche internationale Leihgaben aus privaten Sammlungen sowie renommierten Museen, u. a. aus der National Gallery of Canada, Ottawa, der Tate, London, dem Moderna Museet, Stockholm, dem Centre Pompidou, Paris, oder dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid.