Kader Attia (*1970 in Dugny) wuchs in Frankreich und in Algerien auf. Internationale Bekanntheit erlangte er u.a. durch seine Beiträge für die Venedig Biennale 2003/2017 und die dOCUMENTA (13) im Jahr 2012. Als Kurator verantwortete er die 12. Berlin Biennale 2022.

In der Berlinischen Galerie zeigt er die beiden Werkkomplexe „J’accuse“ (2016) und „The Object’s Interlacing“ (2020). „J’accuse“ umfasst einen Ausschnitt von Abel Gances gleichnamigen Antikriegsfilm aus dem Jahr 1938 sowie 18 Büsten. Sie zeigen sogenannte „gueules cassées“, Soldaten des Ersten Weltkriegs mit schwersten Gesichtsverletzungen. Damit setzt Attia die Auseinandersetzung mit seinem Begriff von „Reparatur“ fort, die seit vielen Jahren im Zentrum seines Schaffens steht. In „The Object’s Interlacing“ (2020) unterhält sich Attia mit verschiedenen Fachleuten über die Rückgabe geraubter Kulturgüter der Kolonialzeit. Ohne Schuldzuweisung entfaltet er aus verschiedenen zeitgenössischen Perspektiven – philosophisch, rechtlich, anthropologisch, psychoanalytisch, museologisch und wirtschaftlich – ein Verständnis von Restitution als einer Praxis der Reparatur, die weit über die bloße Rückgabe geplünderter Objekte an ihren Ursprungsort hinausgeht.

Die beiden Werke von Attia werden durch ausgewählte Collagen von Hannah Höch aus ihrer ikonischen Serie „Aus einem ethnographischen Museum“ (1924-1934) ergänzt.