Mit „825 Takte“ und „Hiobs Verstummen“ präsentiert der Neue Kunstverein Wuppertal zwei Arbeiten des Audio- und Medienkünstlers Christoph Korn. Wie in seinem gesamten Werk, artikulieren sich Form und Inhalt der Arbeiten über Prozesse des Verbergens, Maskierens und Löschens, die über Bild und Ton vermittelt werden.

„825 Takte“ basiert auf Richard Wagners „Ritt der Walküre“ und der Idee
Wagners Geschichtsentwurf und seinem Konzept der Monumentalität und Überwältigung Risse und Diskontinuitäten einzuschlagen, auf dass in den Mulden und Lücken das Kleine, Schwache, Unterdrückte Behausung fände. So besteht die Arbeit aus einer Partitur, der in einem bildhauerischen Prozess, Klangmaterial ausgestanzt wurde, und einer musikalischen Ausspielung der Löschpartitur, in der wiederum die Komplexität des Werkes sichtbar wird. Es braucht 825 Takte, um zu einer ganzen Stille zu kommen.

„Hiobs Verstummen“ nimmt seinen Ausgang vom „Buch Hiob“, überliefert im Ersten Testament und im jüdischen Tanach. Die Rahmenhandlung des Buchs beschreibt, wie Gott Hiobs Treue mit schwerem Leiden prüft und Hiob stellt in seinem Reden daraufhin Gottes Gerechtigkeit in Frage. Angesichts der Unfassbarkeit des Unrechts verstummt Hiob in den literarischen Figuren des Textes sukzessive.

„Hiobs Verstummen“ ist ein 12-minütiger, fortlaufend geloopter, Film mit Caroline Junghanns, deren Gesicht in äußerster Intensität wider Gott schreit. Dieser Film wird in der Präsentation im Kunstverein und unter hiobs-verstummen.de automatisiert gelöscht, indem ihm über 90 Tage hinweg – automatisiert und zufallsgesteuert – sukzessiv weiße und stumme Bildflächen eingelegt werden. Dem Monolog wird so eine zweite Erzählebene eingeschrieben: ein unvorhersagbarer dramaturgischer Verlauf aus Ansetzen und Absetzen, Klang und Stille, Gesicht und offene weiße Bildflächen. Auf diese Art und Weise gerät Hiob Stück für Stück in seine eigene Verborgenheit. Er verstummt. Die pure Dauer des Films bleibt erhalten. Am Ende ist alles weiß und still.

"Hiobs Verstummen" ist eine Produktion des Südwestrundfunk gefördert mit Mitteln der Kunststiftung NRW und ermöglicht durch den City Artists Award 2020. Die Ausstellung wird gefördert mit Mitteln des Kulturbüros der Stadt Wuppertal.

Neben der Web-basierten Installation ist „Hiobs Verstummen“ auch als Hörstück im Auftrag des SWR realisiert. Die Ursendung ist am Samstag, 13.11.2021, um 23:03 Uhr im SWR2 Hörspiel zu hören.
Am 19.11.2021 startet die Web-Installation auf hiobs-verstummen.de und am
26.11.2021 eröffnet die Ausstellung 825 Takte / Hiobs Verstummen im Kunstverein.


Christoph Korn
Audio- und Medienkünstler. geb. 1965, Frankfurt a.M.

Christoph Korn studierte Philosophie, Politologie und Pädagogik an der Johann Wolfgang von Goethe Universität/Frankfurt a.M.

In den 80er Jahren engagierte er sich in politischen Kontexten und arbeitete 1988/89 im Rahmen eines befreiungstheologischen Projektes mit Straßenkindern in Rio de Janeiro und Sao Paulo.

Anfang der 90er Jahre entstanden erste künstlerische Arbeiten.

Christoph Korns Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Audio- und Medienkunst. Für deren Realisierung nutzt er unterschiedliche künstlerische Ausdrucksmittel: WEB basierte Arbeiten, Film, Installation, konzeptuelle Realisierungen, Hörspiel und Komposition. Die künstlerischen Werke basieren in den letzten Jahren zunehmend auf Versuchen des Maskierens, Löschens oder Entziehens. Mitunter realisieren die Arbeiten sich in Form großer Dauer.

Korns künstlerische Arbeiten wurden im Rahmen zahlreicher internationaler Kontexte gezeigt oder aufgeführt. Er erhielt internationale Auszeichnungen und Stipendien, so etwa 2009 Prix Ars Electronica, Honorary Mention (Digital Music) für seine netzbasierte Arbeit „Waldstueck“. 2011 Stipendium des Bundes Deutsches Studienzentrum Venedig. 2014 Stipendium Stiftung Kunstfonds, Bonn. 2019 Prix Marulic (Distinction). 2020 City Artist Award NRW. Radio- Realisationen für intermedium Center for Art and Media ZKM/Karlsruhe, SWR, HR, WDR, SFB, DLR, SDR, art radio ORF


Öffnungszeiten: 
Donnerstag - Freitag: 17:00 - 20:00 Uhr
Samstag: 15:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: neuer-kunstverein-wuppertal.de

Hiobs Verstummen, 2019, Filmstill, Archiv Christoph Korn © Christoph Korn
26.11.2021 - 08.01.2022

Christoph Korn: 825 Takte / Hiobs Verstummen

Neuer Kunstverein Wuppertal e.V.

Hofaue 51 (Kolkmannhaus)
42103 Wuppertal