In einer umfangreichen Einzelausstellung präsentiert die Städtische Galerie Neunkirchen neue Werke von Katharina Hinsberg (*1967 in Karlsruhe). Katharina Hinsberg zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen einer von der Zeichnung ausgehenden installativen Raumkunst in Deutschland. Die seit 2011 als Professorin für Konzeptuelle Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar lehrende Künstlerin hat in den letzten Jahren mit aufsehenerregenden Rauminstallationen auf sich aufmerksam gemacht. 

Für die Städtische Galerie Neunkirchen entwirft Katharina Hinsberg eine eigens für den Ausstellungsraum entwickelte, begehbare und veränderliche Farbraumskulptur im Rahmen ihrer Serie „Feldern (Farben)“, die zugleich als partizipative Arbeit gedacht ist. Hierfür werden an die im Raum stehenden, mobilen Stellwände von allen Seiten mehrere Schichten kleinformatiger, farbiger Seidenpapiere befestigt. Die Wände werden somit zu rasterförmig strukturierten „Farbraumkörpern“ (Begriff nach Gotthard Graubner). Die hauchdünnen Papiere sind nur am oberen Rand fixiert, so dass sie sich bei kleinstem Lufthauch bewegen, darunterliegende Farbschichten freigeben und sich bei sich ändernder Luftfeuchtigkeit verformen. Wöchentlich werden die Farben von Mitarbeitenden oder anderen Akteuren nach einem von der Künstlerin gemeinsam mit Studierenden der HBKsaar festgelegten Schema abgeändert, Seidenpapiere entfernt und darunterliegende Schichten freigelegt. Diese „Schichtwechsel“ lassen im Laufe der Ausstellung neue Bilder und Farbkombinationen entstehen, wodurch sich das „Gesicht“ der Ausstellung fortwährend ändert und immer wieder neue Bilder und Farbkombinationen ermöglichen. Es entstehen große, beeindruckende Kompositionen wechselnder Farbräume, immer begleitet vom Moment des Flüchtigen. 

Neben der begehbaren, veränderlichen Farbraumskulptur sind fragile Zeichnungen und Papierarbeiten zu sehen, in denen Katharina Hinsberg die gezeichneten Linien ausschneidet oder freistellt und auf diese Weise raumdurchlässige Muster und neue lineare Arrangements kreiert, die in der dritten Dimension zu schweben scheinen. Durch das Ausschneiden und Freistellen entstehen kleinformatige Fehlstellen und kleinste Löcher im Papier, die die künstlerischen Setzungen selbst in Frage stellen. Die Handschrift der Künstlerin ist nun nicht mehr über die Linien ablesbar, vielmehr künden diese Arbeiten mit ihren Leerstellen von der Abwesenheit der Künstlerin. Was bleibt, ist die Sichtbarkeit der, auch zeitlichen, Bearbeitung des Papiers sowie der Prozess des Schneidens. 

Nach mehr als drei Jahrzehnten verabschiedet sich Nicole Nix-Hauck mit der von ihr kuratierten Ausstellung Katharina Hinsberg als Leiterin der Städtischen Galerie und des KKM Keramik Kunst Museums. Am 01. Juli übernimmt Dr. Liane Wilhelmus die Leitung der Städtischen Galerie und des KKM Keramik Kunst Museums in Neunkirchen.  

KATHARINA HINSBERG, geb. 1967 in Karlsruhe
Lebt und arbeitet in Neuss.
Seit 2011 Professorin für Konzeptuelle Malerei, Hochschule der Bildenden Künste Saar.
Studium der Bildenden Kunst München, Dresden und Bordeaux, Frankreich.

Einzelausstellungen u.a.: Kunsthalle Mannheim, Staatl. Kunstsammlungen Dresden; Um Museum, Hwaseong, Südkorea; Kunsthalle Göppingen; Saarlandmuseum Saarbrücken; Kunstsammlungen NRW. Künstlerinnenpreis Nordrhein-Westfalen (2013) und Helmut-Kraft-Preis (2014).