Im Kunsthaus Wiesbaden, dem größten Ausstellungsraum der Fototage, werden gleich 11 Projekte präsentiert.

Sibylle Fendt und Paula Winkler haben in »Tag X« über mehrere Jahre die Aktionen von Klimaaktivistinnen und - aktivisten begleitet und dokumentiert. Auch Mohammad Rakibul Hasan macht den Klimawandel zu seinem fotografischen Thema und findet in »The Blue Fig« sehr besondere Bilder dafür. In seiner Heimat Bangladesch zeigen sich die Folgen des Klimawandels schon heute unbarmherzig, aber Hasan fotografiert die Menschen auch in ihrer starken Widerstandsfähigkeit. Marcellina Wellmers Videoarbeit »Solid Landscapes« visualisiert das unaufhaltsame Wachstum vom Menschen geformter, endloser Funktions- landschaften. Was ist das? Realität? Traum? Die Zukunft? Die Gegenwart?

»Helle Erinnerung« – Serghei Duves Bilder aus Transnistrien offenbaren ein Land, das ge- prägt ist von Melancholie und gesellschaftlicher Zerrissenheit. Viele Menschen verlassen ihre Heimat. Ebenfalls um Veränderung und Hoffnung geht es im Werk von Ziyi Lee, der für seine Serie »New Comer« Neuankömmlinge in der chinesischen Millionenmetropole Hang- zhou fotografiert hat. Auch Melina Lehmacher zeigt uns in ihrer Serie »Neue Stadt« junge Menschen: die Lebenswelt junger Frauen in Großwohnsiedlungen, die einst für Fortschritt und Modernität standen. Und heute? Es geht um Hoffnungen und Zukunftsaussichten – eine Zukunft, die an manchen Orten kaum mehr denkbar scheint.

Auch Elliott Kreyenbergs Werkgruppe »Something Was Missing Within« setzt sich in einer radikalen Bildsprache mit sozialen Bedingungen auseinander. Doch hier ist es nicht die Architektur, sondern der männliche Körper selbst, der zum Thema wird. Dieser ist, so ahnen wir beim Betrachten dieser subjektiven Bilder, ein Panzer, ganz im Sinne von Klaus Thewe- leits klassischer Schrift „Männerphantasien“, ein Ort der Selbstzensur, um traditionellen Männlichkeitsidealen zu entsprechen.

Julius Schien hat für seine Serie »Rechtes Land« Tatorte rechter Gewalt fotografiert. Die Lakonie dieser menschenleeren Orte beunruhigt gerade in ihrer Alltäglichkeit. Sie erzählen von verdrängten Schicksalen, die viele Fragen aufwerfen. Eine andere Art von Terror: Filippo Venturis kafkaesk-cineastische KI-Bilder Nordkoreas erinnern mit ihren starken Helldunkel-Kontrasten an den Film noir, machen Angst, sind aber auch von großer Faszi- nation. In »Broken Mirror« werden Menschen von Insekten kontrolliert, was man als Meta- pher für die invasive und kontrollierende Natur von Technologie und KI verstehen kann.

Yana Wernicke zeigt uns Tiere dagegen als Begleiter und Gefährten, als »Companions«, und macht in poetischen Bildern die Sehnsucht der Menschen nach tieferen Verbindungen zu anderen Lebewesen zum Thema. Sie fragt: Wie stellen wir uns in Zukunft das Zusammen- leben mit Tieren vor? Um Interaktionen und Berührungen geht es auch im Werk von Daša Geiger. Sie versteht unsere Hände als Fundament der Kommunikation, als Ausdruck von Empathie. Sie sind subtile Akteure, deren immense Bedeutung uns diese Werkgruppe auf überraschende Weise in Erinnerung bringt. Welche Zukunft werden unsere Hände formen?

Künstlerinnen und Künstler: Serghei Duve (Hannover), Sibylle Fendt (Berlin), Daša Geiger (Herne), Mohammad Rakibul Hasan (Dhaka), Elliott Kreyenberg (Berlin), Ziyi Le (Hangzhou), Melina Lehmacher (Düsseldorf), Julius Schien (Hannover), Filippo Venturi (Forli), Marcelina Wellmer (Berlin), Yana Wernicke (Hochheim), Paula Winkler (Berlin),


Öffnungszeiten:
Dienstag - Mittwoch: 11:00 - 17:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 19:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: wiesbadener-fototage.de

Serghei Duve // Werkreihe: Helle Erinnerung // Photo © Serghei Duve
22.08.2025

13. Wiesbadener Fototage Festival für aktuelle Fotokunst und Dokumentarfotografie

Kunsthaus Wiesbaden

Schulberg 10
65183 Wiesbaden