Jenny Bewers Serie »Abuse of Power«, obzwar visuell in reiner Schönheit glänzend, kreist um das Thema des Machtmissbrauchs und beschwört eine Zukunft ohne sexualisierte Ge- walt. Arne Grashoffs Werkreihe »Human Makes Human« versteht die Zukunft als Ort neuer, inklusiver, queerer Möglichkeiten. Jan Hottmanns Video »Man And Machine« untersucht die Beziehung zwischen Männlichkeit und Maschinen und visualisiert die Überwindung stereotyper Geschlechterklischees.
Verdiana Albanos Arbeit »i ain’t from no east coast« widmet sich der DDR-Vergangenheit und ihrer auch afro-europäischen Geschichte, untersucht die komplexen Dynamiken von Familie, Individualität und Identität und beleuchtet dabei die Träume und Sehnsüchte, die aus der Arbeitsmigration hervorgehen und über Generationen hinweg weitergegeben werden. Albano überschreitet bewusst die Grenzen zwischen Dokumentation und Insze- nierung, um Fragen der Zugehörigkeit und Identität zu erforschen.
Katerina Belkina dagegen stellt sich die Zukunft in »For All Mankind« als Ort voller Roman- tik und Spannung vor. »In schwierigen Zeiten stelle ich mir vor, dass wir Trost in imaginä- ren Räumen voller Planeten und Galaxien finden.« Diese Welten baut Belkina aus Papier, Steinen oder Mehl.
Die Welt von Toby Binder hingegen ist ganz real: Er porträtiert, seit Jahren schon, die konfessionell »Geteilte Jugend von Belfast«. Und fragt uns: »Wie kann die Zukunft für Jugendliche in einem Land aussehen, in dem so viel rückwärtsgewandt scheint?«
Kim Seunggus Serie »Better Days« zeigt uns Panoramen aus erhöhtem Blickwinkel, die uns zutiefst irritieren. Die Bilder vollkommen überfüllter südkoreanischer Freizeitstätten,
in denen sich Menschen drängeln, dicht an dicht, können als soziale Landschaften inter- pretiert werden, die, je nach Kultur, vollkommen verschieden gelesen werden. Was uns dystopisch erscheint, ist in Südkorea Ausdruck einer vollkommen anders gearteten Frei- zeitkultur. Was Guy Debord in seinem Text »Die Gesellschaft des Spektakels« aus dem Jahr 1967 bereits vorausahnte, das ist heute, nicht nur in Südkorea, längst Realität. Das Leben als »immense Anhäufung von Spektakeln ...«. Sieht so auch unsere Zukunft aus?
Und auch die dokumentarische Videoarbeit »At 10:35 I Leave My Flat« von Emilė Krutulytė kann dystopisch gelesen werden. Es geht um die Überwachung des öffentlichen Raums in Vilnius. Beide Arbeiten stellen eine ähnliche, dringliche Frage: Wird es in der Zukunft über- haupt noch Privatheit geben?
Einen harten Blick in die ukrainische Realität der Gegenwart gewährt uns Gerd Waliszewski mit seiner Serie »Between the Sirens«: Junge Menschen versuchen ihren Alltag im Krieg zu leben – unterbrochen durch Warnsirenen und Raketen. Der Fotograf versteht die Serie auch als Ausblick auf die Zukunft. Ja, welche Zukunft hat diese traumatisierte Generation?
Künstlerinnen und Künstler: Verdiana Albano (Berlin/Frankfurt am Main), Katerina Belkina (Werder/Havel), Jenny Bewer (Hamburg), Toby Binder (München), Arne Grashoff (Berlin), Jan Hottmann (Stuttgart), Seunggu Kim (Seoul), Emilé Krutulyté (Vilnius), Gerd Waliszewski (Kiew/Berlin)
Öffnungszeiten:
Dienstag: 10:00 - 15:00 Uhr
Mittwoch: 17:00 - 20:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 15:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 11:00 - 19:00 Uhr
Montag: geschlossen
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