Ab dem 4. Februar 2020 zeigt das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main die Ausstellung „Bewegte Zeiten: Frankfurt in den 1960er Jahren“. Die von Dr. Markus Häfner, Leiter der Abteilung Public Relations im Institut für Stadtgeschichte, kuratierte Schau zeichnet mit Fotos, Dokumenten, Filmen und Objekten aus den Archivbeständen ein facettenreiches Bild dieses bewegten Jahrzehnts in Frankfurt nach. Sie ist bis zum 8. November 2020 im Karmeliterkloster zu sehen.

„Der Titel der Ausstellung wurde nicht grundlos gewählt“, so Häfner bei der Pressepreview am 3. Februar 2020: „Die Stadt befand sich im Aufbruch, alles schien in Bewegung. Die Frankfurterinnen und Frankfurter protestierten für die 40-Stunden-Woche und eine bessere Bezahlung, sie setzten sich ein für Rüstungskontrolle, Frieden und Abrüstung, gegen die Pläne zur Notstandsgesetzverfassung und gegen die Bildungsmisere mit ihren als verkrustet empfundenen Strukturen an Universitäten und in Schulen“. Die Protestbewegungen kulminierten in der „68er“-Bewegung und den Forderungen nach einem radikalen gesellschaftlichen Umbruch.

Doch die Ausstellung beschränkt sich nicht auf die zahlreichen Bilder von Demonstrationen, Protestaktionen, Straßenbarrieren und Unibesetzungen. „Die 1960er Jahre prägten in Frankfurt weit mehr als die im kollektiven Gedächtnis verankerten Protestbewegungen“, erläuterte Häfner. Sport, Popmusik und Kennedys Besuch bewegten die Massen. Farbfernsehen und Werbung, steigende Löhne und Massenproduktion sorgten für neue Freizeit- und Konsummuster. Die realisierten Großbauprojekte Nordweststadt und U-Bahn bestimmen bis heute das Stadtbild. Die Stadt reagierte mit den beiden Bauvorhaben auf die in den 1960er Jahren anhaltende Wohnungsnot in der wachsenden Stadt und den zunehmenden Verkehrskollaps.

Die boomende Wirtschaft zog Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus dem Süden Europas an. Angeworben als billige Arbeitskräfte, kamen die ersten 1960 in größerer Zahl nach Frankfurt und versuchten, in der Stadt und auf dem angespannten Wohnungsmarkt auch mit ihren Familien sesshaft zu werden.

Der Umgang mit der NS-Vergangenheit bestimmte in den 1960er Jahren den öffentlichen Diskurs stadt- und bundesweit. Mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen vollzog die deutsche Justiz eine Kehrtwende in ihrer Vergangenheitsbewältigung. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer trieb die Aufarbeitung der NS-Verbrechen maßgeblich voran und erreichte, dass Verfahren gegen Einzelpersonen vermieden, sondern vielmehr Tatkomplexe gebündelt vor dem Frankfurter Landgericht verhandelt wurden. „Insgesamt beleuchtet die Ausstellung 25 Ereignisse, Entwicklungen und Entscheidungen aus diesem bewegten Jahrzehnt“, erläuterte Häfner den Facettenreichtum der Ausstellung.“

„Begleitpublikation und Ausstellung wollen zur eigenen Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte anregen und Einblicke in die Vielfalt des Archivguts bieten“, so Franziska Kiermeier, Leiterin der Abteilung Zeitgeschichte und Gedenken im Institut für Stadtgeschichte in Vertretung der Institutsleiterin Dr. Evelyn Brockhoff bei der Pressepreview. Daher zeigt das Institut aus seinen Beständen zahlreiche Objekte: Wahlwerbung der Parteien, Papiermodelle und Erinnerungstücke an die U-Bahn-Eröffnung, Theaterprogramme, Flyer, Aufkleber und Flugblätter gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetzgebung sowie Gesellschaftsspiele, Kataloge und Produktwerbung.

An Medienstationen lässt sich das Jahrzehnt mit verschiedenen Filmausschnitten und Dokumentationen über den Kennedybesuch, den U- Bahnbau, politische und kulturelle Ereignisse auch in bewegten Bildern erleben.

An einer Lesestation finden die Besucherinnen und Besucher ausgewählte Archivalien aus den Beständen des Instituts für Stadtgeschichte, um die Themen der Ausstellung selbst zu vertiefen. Über 40 Originalquellen bieten einen forschenden Einstieg in sechs Themenfelder. Sie umfassen Dokumente der Protest- und Studentenbewegung, ebenso wie Auszüge aus Schülerzeitungen und zu Alltagsfragen.