So wie wir sind 3.0 stellt mehr als 190 Werke aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten unter inhaltlichen und formalen Fragestellungen zusammen. Sieben Themenareale formulieren künstlerische Annäherungen an die Darstellung des Menschen, entwerfen ein aktuelles Bild von Deutschland, inszenieren ein vielfältiges Spiel mit dem Alltag oder dem Medium Buch und spüren minimalistischen Tendenzen, fotografischen Verfahren oder ästhetischem Widerspruch nach. Räume von Kapwani Kiwanga, Joyce Pensato, Claudia Piepenbrock und Norbert Schwontkowski geben darüber hinaus einen konzentrierten Einblick in vier künstlerische Ansätze mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Und mit Mel Chin zieht sogar eine Künstlerbar ein.

So entwirft ein Themenbereich mit Hilfe von Film, Skulptur, Audio, Malerei, Fotografie oder Installation ein vielgestaltiges Bild von Deutschland, das sich von Nationalsozialismus, Atmosphären der Nachkriegszeit und Migration über Bezüge auf Romantik, Brutalismus und Celebrity Culture bis zu Wiedervereinigung, politischer Macht, globalisierter Wirtschaft und rechtsradikalen Tendenzen spannt.

An anderer Stelle werden ikonische Positionen der Minimal Art von Carl André, Richard Serra, Elsworth Kelly, Fred Sandback oder Charlotte Posenenske durch aktuelle Arbeiten in die Gegenwart erweitert und gegen den Strich gebürstet. Alt trifft auf neu und tritt in einen Dialog, der historische Stränge im Neuen und Überraschendes im Bekannten aufspürt. Da eignet sich z.B. Amoako Boafo „weiße“ Malereitraditionen für seine Portrait-Darstellungen von People of Colour an, während Kasia Fudakowski der Gattung so humorvoll wie klug gleich mit Mop und Putzeimer zu Leibe rückt.

Wolfgang Tillmans dagegen löst sich von der herkömmlichen Darstellungsverpflichtung der Fotografie, wenn er Staub und Schlieren in der Entwicklerflüssigkeit ein zufälliges und abstraktes Abbild schaffen lässt, während Monica Bonvicini die Besucher*innen mit den überzogenen Erwartungshaltungen unserer Gesellschaft konfrontiert.