Bilder von Weiblichkeit sind so alt wie die Kunst selbst. Seit 2.500 Jahren gehen sie auch auf Münzen und seit der Neuzeit durch die Medaillenkunst von Hand zu Hand. Zwischen Ursprungsvorstellungen und Aktualität – oder eben Eva und Greta – eröffnen sich zahlreiche Themenfelder, denen sich die Sonderausstellung des Münzkabinetts im Bode-Museum anhand von 231 Objekten aus 27 Jahrhunderten widmet.

Münzen waren und sind Geld. Bis heute zeigen sie bisweilen Göttinnen, Herrscherinnen, Heilige. Bild, Form und Materialität treten in der Medaillenkunst ganz in den Vordergrund. Seit ihrer Entstehung in der Renaissance nimmt sie Frauen in verschiedenen Kontexten in den Blick. Von Herrscherinnen und Geehrten bis zu einer in weiten Teilen durch Arbeiten von Frauen getragenen Medaillenkunst der Gegenwart zeigt die Ausstellung 231 Objekte in drei eng miteinander verzahnten Sektionen: Frauen in Religion und Geschichte, dabei ablesbare soziale-kulturelle Verortungen, sowie aktuelle Perspektiven.

Anhand von Schwerpunkten – Antike, Mittelalter, Neuzeit, Gegenwart – bietet der chronologische Teil der Ausstellung einen weitgespannten Überblick. Dabei zeigen sich kontextabhängige, sich wandelnde Perspektiven auf soziale Verortungen von Frauen. Auch dies erlaubt Rückschlüsse auf Künstler*innen, Auftraggeber*innen und Rezipient*innen.

Die uralte und zugleich hochaktuelle Kulturtechnik Münze trifft in der Ausstellung auf eine lebendige Medaillenkunstszene. Bildhauer*innen, die auch als Medaillenkünstler*innen oder Münzgestalter*innen bekannt sind, begegnen uns in Berlin und anderswo vielfältig etwa im öffentlichen Raum. Im Medium der Medaille lässt sich große Kunst in konzentrierter Form mobil und nachhaltig erfahren. Für diese Ausstellung haben 32 Medaillenkünstler*innen Arbeiten eingereicht. Die Editionen geleiten Besucher*innen von historischen zu den aktuellsten Themen der unmittelbaren Gegenwart. Auch der Ausstellungtitel ist Anregungen aus den Beiträgen zu verdanken.

Durch die Zeiten wurden brennende Fragen im Reliefrund von Münzen und Medaillen in die jeweilige Gegenwart in den Fokus genommen. „Eva“ blickt dabei auf tausende Jahre Kulturgeschichte und auch „Greta“ ziert von nun an Medaillen. Die bildliche Vergegenwärtigung theologischer Motive wie der „Erbsünde“ kann hochbrisante Konsequenzen zeitigen. Auch der Klimawandel und soziale Ungleichheit bleiben aktuelle Probleme, die die Medaillenkunst aufgreift: So wurde Greta Thunberg gleich auf zwei Beiträgen zum Jahresthema „Frauen“ des Berliner Medailleurkreises thematisiert. Der Beitrag von Heinz Hoyer setzt den Gender-Pay-Gap ins Bild. Auch zu den zentralsten Fragen der Ausstellung können Medaillen Perspektiven eröffnen: Etwa zu der nach dem sozialen Geschlecht. Die mit dem Deutschen Medailleurpreis 2018 ausgezeichnete Medaille „Transident“ von Almuth Lohmann-Zell überwindet Unschärfen, welche Fragen nach Weiblichkeiten kennzeichnen.

Berühmtheiten der Weltgeschichte finden sich in der Ausstellung inmitten einer bunten Themenvielfalt wieder. So zeigen sich verschiedene Potentiale: Münzen und Medaillen helfen auf verschiedene Weise da weiter, wo andere Quellen an ihre Grenzen stoßen. Als handliche und mobile Reliefträger, die mit allen Sinnen begreifbar sind und alle Sinne ansprechen, verbreiten sie Einblicke, Eindrücke und Emotionen, wie es andere Bildmedien, Sprache und Klang nicht vermögen. Nicht zuletzt helfen sie dabei, wichtige Fragen zu stellen und manche zu beantworten, etwa: Wie und warum werden Frauen auf Münzen und Medaillen gezeigt? Was kennzeichnet eine Frau, was einen Mann?

Bestände des Münzkabinetts und Leihgaben bilden zusammen mit zwei Künstlereditionen, die eigens für diese Ausstellung angefertigt wurden, die Säulen der Schau. Eine Edition umfasst die Beiträge zum Jahresthema „Frauen“ des Berliner Medailleurkreises. Hinzu kommen Beiträge aus der Auslobung des Nachwuchspreises für eine Kunstmedaille „Drei Grazien“ aus dem Jahr 2020. 

Die Ausstellung wird kuratiert von Johannes Eberhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Münzkabinetts.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum

Coronabedingt kann sich die geplante Laufzeit der Ausstellung kurzfristig ändern. Der Besuch ist derzeit ohne tagesaktuelles, negatives Schnelltestergebnis möglich. Zeitfenstertickets sollten weiterhin vorab online gebucht werden: smb.museum/tickets