Die sechs Gemälde des sogenannten Pfirt‘schen Altars, benannt nach der Besitzerin der zugehörigen Mitteltafel im 19. Jahrhundert, zeigen sechs Heilige: Mauritius und Maria Magdalena sowie Martinus, Erasmus, Ursula und Stephanus. Gemalt wurden sie zwischen 1526 und 1530 von einem anonymen Meister aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä. für das Neue Stift in Halle, das Kardinal Albrecht von Brandenburg neu ausstatten ließ. Für Lucas Cranach d. Ä. war dies der größte Auftrag seines Lebens: 16 Flügelaltäre waren anzufertigen, insgesamt 142 Gemälde; Mitarbeiter aus seiner Werkstatt übernahmen deren Ausführung. Als die Reformation 1540 in Halle eingeführt wurde, gelangten alle Gemälde in das Erzbistum Mainz, nach Aschaffenburg, wo sich noch heute etliche von ihnen befinden.

Der Pfirt‘sche Altar stand im Neuen Stift Halle auf einem den Engeln geweihten Nebenaltar vor dem Lettner. Er war ein „Nachzügler“ in der Kirchenausstattung: Aufgrund der Holzdatierung ist neuerdings bekannt, dass die Flügel nicht zum ursprünglichen Ausstattungskonzept gehören können, sondern wenige Jahre später an die bereits vorhandene Mitteltafel mit dem „Schmerzensmann zwischen Maria und Johannes“ anmontiert wurden. Diese Mitteltafel, ein eigenhändiges 1524 datiertes und signiertes Cranach-Werk, verschenkte der letzte Mainzer Kurfürst, Karl Theodor von Dalberg, 1808 an die Gattin seines Obersthofmeisters, Freifrau Franziska von Pfirt, die das Andachtsbild kurz darauf dem Freiburger Münster stiftete. Heute befindet es sich im dortigen Augustinermuseum. Die Flügel wurden in Aschaffenburg in der Dalberg-Zeit zu Galerieformaten umgearbeitet und mit den heute vorhandenen Rahmen versehen.

Zusammen mit der ebenfalls aus Halle stammenden „Erasmus-Mauritius-Tafel“ von Matthias Grünewald und Cranachs „Bildnis des Kardinals Albrecht von Brandenburg vor dem Gekreuzigten“, Hauptwerken der Alten Pinakothek, ist diese Präsentation auch eine Hommage an einen großen wie umstrittenen Kunstliebhaber: Albrecht von Brandenburg (1490–1545), Erzbischof von Magdeburg, Administrator von Halberstadt, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Primas und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Auf allen drei Werken finden wir sein Porträt, teils in der Gestalt des hl. Erasmus, des Familienpatrons der brandenburgischen Hohenzollern.

Nahezu 300 Gemälde der Staatsgalerie Aschaffenburg befinden sich zur Zeit in München und werden während der Sanierung von Schloss Johannisburg unter großem finanziellen Aufwand des Freistaats im Doerner Institut restauriert. Ab 2022 werden sie in den glanzvoll wiederhergestellten, erstmals klimatisierten und mit neuer Beleuchtung versehenen Räumlichkeiten der Staatsgalerie Aschaffenburg wieder zu sehen sein.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Mittwoch: 10:00 - 20:30 Uhr
Donnerstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: .pinakothek.de