Anlässlich des Beuys-Jahres 2021 zeigen die Kunstmuseen Krefeld die Ausstellung Kunst = Mensch. Joseph Beuys in Krefeld. Neben den von Beuys selbst eingerichteten Künstlerräumen im Kaiser Wilhelm Museum stehen Werke und Dokumente zum Vortrag „Kunst = Mensch“ im Mittelpunkt der Schau, den Beuys anlässlich der Erwerbung des Krefelder Hauptwerks Barra- que D’Dull Odde im Kaiser Wilhelm Museum hielt und den er später zur Aktion erklärte.

Dass der vor einhundert Jahren in Krefeld geborene Joseph Beuys seiner Geburtsstadt ab den späten 1940er Jahren bis zu seinem Tod Anfang 1986 verbunden blieb, ist in erster Linie seiner engen Beziehung zu den Kunstmuseen Krefeld zu verdanken – vor allem dem Engagement von Direktor Paul Wember, der Beuys bereits sehr früh förderte und seine künstlerische Laufbahn intensiv verfolgte. Ab 1967 konnte Wember durch die Unterstützung der Sammler Helga und Walther Lauffs das herausragende Krefelder Werkensemble rund um die große Plastik Barraque D’Dull Odde (1961–67) zusammentragen. Beuys selbst wählte die Werke aus und installierte sie an ihrem heutigen Ort. „Damit ist das Raumensemble das einzige in Nordrhein-Westfalen, das in der vom Künstler gestalteten Form erhalten geblieben ist“, so Museumsdirektorin Katia Baudin. „Wir nehmen das Beuys-Jahr zum Anlass, einen Fokus auf diesen für den Ort entstandenen, einzigartigen Werkzusammenhang zu richten.“

Die Ausstellung gibt mit ausgewählten Werken, Fotografien, Tonaufnahmen und Dokumenten aus der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld Einblicke in die langjährige intensive Beziehung des Künstlers zu Krefeld. Im Fokus steht dabei die Geschichte des Raumensembles im Kaiser Wilhelm Museum. Bereits in den 1950er Jahren kam die ungewöhnliche Edelstahlplastik Brunnen (1952), eine von Wember vermittelte Auftragsarbeit, in die Sammlung. Anlässlich des Ankaufs der Plastik Barraque D’Dull Odde fand am 15. Dezember 1971 eine Diskussionsveran- staltung im Kaiser Wilhelm Museum statt. Der unter dem Titel „Kunst = Mensch“ angekündigte Vortrag, den Beuys später zur Aktion erklärte, bildet einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung. Vor dem dicht gedrängt sitzenden Publikum erläuterte der Künstler seinen erweiterten Kunstbegriff. Diagrammzeichnungen, Fotografien, die Tonaufnahme des Vortrags und die Pres- seberichte zeugen von der leidenschaftlich und kontrovers geführten Diskussion zwischen Künstler und Publikum, die auch vor verbalen Angriffen auf Beuys und der Absetzung von Paul Wember als Diskussionsleiter nicht haltmachte.

1977 wurde die Krefelder Werkgruppe durch den Ankauf von Fond IV/4 abgeschlossen, nicht aber Beuys? Arbeit daran. Diese Neuerwerbung war der Anlass dafür, Beuys einen permanenten Raum im Kaiser Wilhelm Museum anzubieten, in dem er alle Werke im Zusammenhang miteinander installieren konnte. Vor allem die Verlagerung der über 600 Einzelteile umfassenden Plastik Barraque D`Dull Odde war sehr aufwendig und ist in eindrücklichen Fotografien dokumentiert. Ihre endgültige Gestalt erhielten die Beuys-Räume im Jahr 1984. Der Künstler integrierte den Brunnen, der von 1969 bis 1979 im Innenhof des Kaiser Wilhelm Museums installiert war, in das Raumensemble. Mittels des orangefarbenen Wasserschlauchs verbinden sich frühe und spätere Arbeiten zu einem gemeinsamen Energiekreislauf.

Beuys war außerdem seit 1948 an zahlreichen Ausstellungen im Kaiser Wilhelm Museum und in den Häusern Lange und Esters beteiligt. Besonderes Augenmerk liegt auf der großen Retrospektive des zeichnerischen Werks im Jahr 1974, von der auch eine Tonaufnahme der Eröffnungsrede des Künstlers aufschlussreiche Eindrücke vermittelt. Die grafische Serie Bonzenbunker (1981) schließlich, die Beuys zur Unterstützung der FIU Krefeld entwarf, ist ein wichtiges Beispiel seines politischen Engagements. „Die Präsentation spiegelt somit komprimiert die Entwicklung und Vielfalt des Künstlers“, betont Kuratorin Dr. Magdalena Holzhey. „Sie reicht vom Frühwerk über die Genese von Werken und Räumen bis hin zur Diskussionskultur und zum politischen Engagement als Bestandteil des erweiterten Kunstbegriffs.“

Anlässlich der Ausstellung entstand ein Film mit Interviews von Zeitzeug*innen, die aus unterschiedlichen Perspektiven das Verhältnis von Beuys zu Krefeld beleuchten.

Der Eröffnungstag am 28. März 2021 ist gleichzeitig die offizielle Eröffnung des Beuys-Jahres in Krefeld und wird durch digitale Grußworte von Oberbürgermeister Frank Meyer, Direktorin Katia Baudin und Kuratorin Dr. Magdalena Holzhey sowie einen 3D-Rundgang durch die Ausstellung begleitet.

Die Ausstellung ist Teil von beuys 2021. 100 jahre joseph beuys, einem Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unter der Leitung von Prof. Dr. Eugen Blume und Dr. Catherine Nichols.