Mit gleich zwei Ausstellungen von Isa Genzken (*1948) bietet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen einen besonderen Blick auf das Schaffen einer der international bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Das Augenmerk gilt zwei Werkphasen aus ihrer fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere. Im Untergeschoss des K21 wird auf ihr visionäres Frühwerk fokussiert – eine Zeit, die bisher in keiner anderen Ausstellung in diesem Umfang gewürdigt wurde. Parallel sind in der Bel Etage des K21 aktuelle Werke aus der letzten Dekade zu sehen. Diese spannungsvolle Zusammenstellung macht Entwicklungen innerhalb des Œuvres sowie Isa Genzkens Haltung zur Welt sichtbar. Sie zeugt von ihrem Vermögen, sich künstlerisch immer wieder neu zu erfinden, neue Materialien und Techniken anzueignen und auf die Umstände ihrer Zeit präzise zu reagieren.

Parallel zur Präsentation im Untergeschoss des K21 werden in der Bel Etage aktuelle Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin gezeigt. Anhand von Installationen, Skulpturen und Wandarbeiten wird in der Ausstellung „Isa Genzken. Hier und Jetzt“ eine Diagnose des Zustandes der Gegenwart unternommen. In ihren Werken wirft Isa Genzken einen schonungslosen Blick auf die Gesellschaft des späten Kapitalismus. Damit legt sie die Krisen, Ängste und Tabus offen, die diesen kennzeichnen.

Ihre Installation Gibt es genug Medikamente verweist etwa darauf, wie Gesellschaften um den Umgang mit Krankheiten ringen. In der Installation Poverty beschäftigt sie sich wiederum mit den Themen Armut und Obdachlosigkeit. Gezeigt wird außerdem eine Auswahl von Arbeiten aus der Serie der Geldbilder. Sie besteht aus einer Gruppe von Leinwänden, auf die Geldscheine und Münzen unterschiedlicher Währungen angebracht sind, und die damit im übertragenen Sinne auf Währungen verweisen, die die Welt prägen.

Eine weitere Werkgruppe in der Ausstellung bilden die Schauspieler. Diese Skulpturen aus Schaufensterpuppen, die die Künstlerin bekleidet, besprüht und mit Alltagsgegenständen ausgestattet hat, stehen einzeln oder in spannungsvollen Grup- pen. Auch hier werden Bezüge zur eigenen Biografie deutlich – manche der Puppen tragen Genzkens eigene Kleidungsstücke. Wichtig ist auch der Aspekt der Interaktion, insofern die Besucherinnen und Besucher um die Skulpturengruppen herumgehen oder zwischen den einzelnen Puppen hindurch gehen können, und so zum Teil der entwickelten Szenarien werden. Anders als bei den Ellipsoiden und Hyperbolos erschaffen die Schauspieler untereinander starke Narrative. Gleichzeitig jedoch verweist ihr Material ebenso wie bei den frühen Skulpturen wieder auf industrielle gefertigte Produktion und insbesondere die schnell vergänglichen Konsumgüter der Massenkultur.

Wie bei den Ellipsoiden, Hyperbolos spielt auch bei den Schauspielern das filmische Denken eine Rolle, das Isa Genzken von ihren frühen Anfängen begleitet. Der modellhafte Charakter der Gruppen der Schauspieler erinnert an Filmsets oder Szenarien aus Städten und die Bewegung des Betrachters ist ein elementarer Bestandteil der Arbeit.