Joseph Beuys (1921-1986) gehört zu den wirkmächtigsten Erneuerern der Kunst im 20. Jahrhundert. Ein grenzüberschreitender Denker, hochpolitischer Künstler und eine polarisierende Persönlichkeit, die gleichermaßen Bewunderung wie Ablehnung heraufbeschwor. Beuys propagierte nicht weniger als eine vollkom- men neue Auffassung von Kunst als gesellschaftliche und politische Kraft. Seine radikale Erweiterung des Kunstbegriffs ging einher mit einer progressiven Vision von gesellschaftlicher und politischer Neuordnung, die auch in seiner Kunst stets zum Thema wurde.

Wie ist es zu erklären, dass dieser Künstler, dessen Werk für einen so umfassen- den Umbruch steht, sich ausgerechnet in Wilhelm Lehmbruck eine ausdrückliche Bezugsgröße sucht? Die Begegnung mit dem Werk Lehmbrucks, das im Kontext seiner Zeit als progressive künstlerische Positionen gelesen werden muss, bedeutete für Beuys eine Initialzündung. Beuys war überzeugt, dass Skulptur die Kraft hat, nicht nur die Welt zu erklären, sondern sie zum Besseren zu verändern. Lehmbrucks Satz, „Skulptur ist das Wesen der Dinge, das Wesen der Natur, das, was ewig menschlich ist“ führt Beuys letztlich weiter zu seinem Begriff der Sozialen Skulptur.

Präsentiert werden wichtige Werke Beuys, darunter die Honigpumpe am Arbeitsplatz (documenta 6, 1977), die Straßenbahnhaltestelle (Venedig Biennale 1976) und der Raum Voglio vedere le mie montagne aus dem Van Abbemuseum. Die Auswahl an Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck, die den zweiten Kern der Ausstellung ausmachen werden (u. a. Die Kniende, der Kopf eines Denkers, der Gestürzte und der Emporsteigende), stammt zu einem großen Teil aus dem Lehmbruck Museum in Duisburg. Zeitgleich wird dort die Ausstellung Lehmbruck – Beuys. Alles ist Skulptur vom 26. Juni 2021 bis 17. Oktober 2021 gezeigt.

Die Ausstellungen in Bonn und Duisburg sind als gemeinsames Projekt Teil des Programms zum Jubiläumsjahr beuys 2021. 100 jahre joseph beuys, einem Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Schirmherr ist Ministerpräsident Armin Laschet.