Elektrisches Lichtspektakel und dröhnender Verkehr, schier unendliches vertikales Wachstum von Wolkenkratzern, die Verschmelzung von Arbeits- und Freizeitraum und die generelle Beschleunigung des Lebens: In den 1920ern-Jahren übten die urbanen Architekturen in den Metropolen New York, Paris, Berlin und Moskau zunehmend einen Angriff auf die Sinneswahrnehmung ihrer Bewohner aus. Die Studioausstellung „Die montierte Stadt – Von Fernand Léger bis Sergei Eisenstein“ vereinigt 14 Filme, Foto- und Malerbücher von Künstlern wie Sergei Eisenstein, Fernand Léger, Erich Mendelsohn und Lázló Moholy-Nagy, die auf eindrucksvolle Weise eine neue Ästhetik der urbanen Raumwahrnehmung demonstrierten. Im Rahmen der Ausstellung lädt das Picasso-Museum mit Leihgaben aus Bibliotheken, Antiquariaten und Privatsammlungen zu einer künstlerischen Zeitreise in die Weltmetropolen der Goldenen Zwanziger ein.

Durch die Medien der Moderne – Fotografie und Film – und ihre revolutionären technisch-ästhetischen Verfahren entstand eine neue Ästhetik des Sehens in der Großstadt. Der russische Filmpionier Sergei Eisenstein entwickelte in diesem Zusammenhang eine einflussreiche Theorie der filmischen Montage, die er als Produkt des Urbanismus beschrieb, begrifflich verortet „halb in der Sphäre des Produktionsbetriebes, halb in der Sphäre der Music Hall.“ Die Vertreter dieser neuen Raumwahrnehmung propagieren einen völlig neuen Künstlertypus, der sich als Ingenieur einer technischen Avantgarde, einer neuen Zeit und eines neuen Sehens begreift. 

Die Ausstellung veranschaulicht auf dialogische Art und Weise das Gestaltungsprinzip der filmischen und fotografischen Montage urbaner Sinneseindrücke.

Fernand Léger, La Ville, 1959, Farblithografie (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021
03.07. - 26.09.2021

Die montierte Stadt – Von Fernand Léger bis Sergei Eisenstein

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Picassoplatz 1
48143 Münster