Mit gleich zwei Ausstellungen von Isa Genzken (*1948) bietet die Kunstsamm- lung Nordrhein-Westfalen einen besonderen Blick auf das Schaffen einer der international bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Das Augenmerk gilt zwei Werkphasen aus ihrer fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere. Im Untergeschoss des K21 wird auf ihr visionäres Frühwerk fokussiert – eine Zeit, die bisher in keiner anderen Ausstellung in diesem Umfang gewürdigt wurde. Parallel sind in der Bel Etage des K21 aktuelle Werke aus der letzten Dekade zu sehen. Diese spannungsvolle Zusammenstellung macht Entwick- lungen innerhalb des Œuvres sowie Isa Genzkens Haltung zur Welt sichtbar. Sie zeugt von ihrem Vermögen, sich künstlerisch immer wieder neu zu erfinden, neue Materialien und Techniken anzueignen und auf die Umstände ihrer Zeit präzise zu reagieren.

Die Ausstellung „Werke von 1973 bis 1983“ ist eine adaptierte Fassung der gleichnamigen Schau, die vergangenen Herbst im Kunstmuseum Basel zu sehen war. In Düsseldorf wird nun ein besonderer Bezug zum Ort und der Biografie Genzkens hergestellt, denn hier studierte die Künstlerin von 1973 bis 1977 und lebte anschließend bis 1979. Die Ausstellung beginnt daher mit Werken aus der Studienzeit und schlägt dann den Bogen bis ins Jahr 1983, ab dem sich Genzken zunehmend dem nächsten Thema zuwandte. Gezeigt werden Skulpturen, Computerdrucke, vielteilige Zeichnungsserien, Fotografie und Film.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Ellipsoide und Hyperbolos, längliche Holzskulpturen, denen aufwendige Computerberechnungen zugrunde liegen. Ihre aerodynamische Form deutet auf eine industrielle Herstellung hin, tatsächlich aber handelt es sich um handwerklich gefertigte Unikate, die aus der Auseinandersetzung Isa Genzkens mit der historischen Avantgarde und insbesondere dem amerikanischen Minimalismus hervorgehen. Anders als in der Minimal-Kunst verbergen sich hinter der reduzierten Ästhetik bei ihr subtile Assoziationen und Bezüge zur eigenen Biografie, etwa indem sie ihren Skulpturen Namen von Personen, Orten und Gegenständen gibt.

Die frühen Werke zeigen, mit welchem Selbstbewusstsein und welcher Kompromisslosigkeit Isa Genzken künstlerisch aufgetreten ist und ihre Position in der Bildhauerei eingenommen hat, einem Umfeld, das in den 70er Jahren hauptsächlich von Männern dominiert war.

Neben den Skulpturen liegt ein weiterer Fokus der Ausstellung auf den teils sehr großformatigen, bis zu acht Meter langen Computergrafiken. Sie entstanden ab 1975 parallel zu den Ellipsoiden und Hyperbolos und sind auf Endlospapier ausgedruckt, inklusive der damals typischen Führungslochränder. In ihnen zeigt sich, wie Genzken auf innovative Weise mit algorithmischen Figuren und den technischen Möglichkeiten ihrer Zeit spielt. Auch hier mischt die Künstlerin konzeptuelle Ansätze mit persönlichen Themen. Werke, die zunächst abstrakt erscheinen, werden auf den zweiten Blick als Spuren der eigenen Existenz erkennbar und erzählen von Beziehungen und Begehren.