Unter dem Titel „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ zeigt das LVR-LandesMuseum Bonn bis zum 24. Oktober 2021 die nächste große archäologische Ausstellung.

Die Germanen – immer wieder rücken sie in den Vordergrund, wenn es um die historische Herkunft der Deutschen geht. Dabei hat es ein Volk dieses Namens vermutlich nie gegeben. Mit dem Sammelbegriff „Germanen“ bezeichneten die Römer in der Nachfolge Cäsars ganz unterschiedliche Gemeinschaften mit eigenen kulturellen Traditionen. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert vom Rhein bis an die nördliche Küste des Schwarzen Meeres.

In den vergangenen 20 Jahren hat die Archäologie dank umfangreicher Ausgrabungen, spektakulärer Funde und intensiver Forschungen eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zu den Germanen gewonnen – sie bilden den Anlass für die große Ausstellung „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“.

Präsentiert werden hochkarätige Objekte aus Deutschland, Dänemark, Polen und Rumänien. Sie bieten neue Einblicke in die ferne Welt der Germanen: Wie haben sie gelebt und gewirtschaftet? Wie waren ihre Gesellschaften organisiert? Was haben sie geglaubt? Welche Rolle spielten die Beziehungen zu den Römern? Und wie erklärt sich angesichts der benachbarten „Hochkultur“ des römischen Reiches, dass die Germanen über Jahrhunderte hinweg auf ganz anderen Wirtschafts- und Lebensformen beharrten?

Die Ausstellung sucht nach Antworten und gibt zugleich einen tiefen Einblick in die faszinierende Welt jenseits von Rhein und Donau während der ersten vier Jahrhunderte nach Christus.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des LVR-LandesMuseums Bonn mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.


HIGHLIGHTS AUS DER AUSSTELLUNG:

Eigene Bilderwelt – das Thorsberger Zierblech
3. Jh. n. Chr.
Schleswig, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf
Der von menschlichen Köpfen gerahmte Tierfries befindet sich auf einem Zierblech aus einer rituellen Deponierung in Thorsberg (Schleswig-Holstein). Das Zierblech ist 17 cm lang und 6 cm hoch. Es gehört zu den herausragenden Objekten germanischer Feinschmiedekunst. Vorbild für den Fries sind römische Tierfriese auf Metallgefäßen. Diese werden jedoch nicht kopiert, sondern in eine eigene Formensprache umgesetzt. Was genau dargestellt ist, ist bis heute unbekannt.

Besiegt – Relief eines knieenden Barbaren
2. Jh. n. Chr.
Mainz-Gonsenheim
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Landesarchäologie, Außenstelle Mainz
Die Körperhaltung des Mannes, seine Kleidung sowie die niedergelegten Waffen entsprechen der Ikonographie des gefangenen Barbaren. Das Motiv stammt aus der Triumphalsymbolik, die den Erfolg römischer Herrschaft über niedergeworfene Völker feiert.

Gefangene gelangten in großer Zahl aus der Germania in das Römische Reich. Entweder im Zuge römischer Militäraktionen in der Germania oder verkauft von Germanen nach innergermanischen Konflikten an römische Sklavenhändler. Sandstein

Die germanische Elite: Gräber vom Lübsow-Typ
1. Jh. n. Chr.
Lübsow/Lubieszowo, pow. Gryfice (PL) Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung
Eine Gruppe reich ausgestatteter Körpergräber aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., die nach einem zu Beginn des 20. Jahrhunderts geborgenen Grabfund im heutigen Lubieszowo (ehemals Lübsow) als „Fürstengräber vom Typ Lübsow“ bezeichnet werden, findet sich im östlichen Mitteleuropa und in Dänemark. Die Toten wurden in Baumsärgen beigesetzt, die in Holzkammern standen und von Steinen bedeckt und mit Erde bedeckt waren. Die wertvollen Beigaben, darunter zahlreiche Gegenstände aus dem Römischen Reich, belegen die weitreichenden Beziehungen und geben einen Hinweis auf das Selbstverständnis der Elite. Die Männer wurden ohne Waffen bestattet.

Germanisch „meets“ Römisch – Grabinventar
1. Jh. n. Chr.
Leg Piekarski, pow. Turek (PL), Grab 2 Pa?stwowe Muzeum Archeologiczne Warszawa
Römische Gefäßsätze aus Becken, Kanne, Eimer, Schale und Griffschale waren im 1. Jahrhundert n. Chr. kennzeichnend für die germanische Elite. Getrunken wurde aus römischen Henkelbechern oder aus Trinkhörnern, von denen sich in ??g Piekarski vier Endbeschläge erhalten haben. Germanisches traf Römisches.
Die 30 Spielsteine und vier Würfel gehörten zu einem Brettspiel. Spielen war Teil eines gehobenen Lebensstils in der Germania.

Einzigartig – Spitzenprodukte germanischer Feinschmiedekunst
Um 300 n. Chr.
Dienstedt, Ilm-Kreis
Archäologische Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ohne Vergleich sind die beiden sogenannten Dosenfibeln aus dem Frauengrab von Dienstedt. Sie sind goldschmiedetechnische Meisterleistungen und bestehen aus Dutzenden von Einzelelementen!
Der üppige Ringschmuck aus einem silberdrahtumwickelten Halsring mit Goldhülsen und einem silbernen Armringpaar, weitere Fibeln und das römische Bronzegeschirr unterstreichen die herausragende Stellung der Bestatteten als Mitglied der großräumig vernetzten Elite der späteren römischen Kaiserzeit.