Vom 25. Juni bis zum 26. September 2021 zeigt das Museum Folkwang mit The Fall die erste Überblicksausstellung zum fotografischen und filmischen Werk von Tobias Zielony. Zielony steht in einer langen Traditionslinie künstlerischer Fotografie und gilt vielen jüngeren Bildermacher:innen als wegweisend. Nur wenige Fotografen seiner Generation haben die gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen so aufmerksam beobachtet und in eine zeitgenössische Bildsprache überführt wie er.

Die Ausstellung Tobias Zielony. The Fall präsentiert insgesamt elf Videoarbeiten, sieben Fotoserien, zwei Rauminstallationen und eine digitale Diashow mit allein rund 150 Fotografien. Erstmals wird so ein umfassender Blick auf Zielonys künstlerisches Schaffen der letzten zwanzig Jahre bis heute ermöglicht. Ausgehend von frühen Arbeiten wie Curfew (2001), Tankstelle (2004) oder Big Sexyland (2006) leitet der Ausstellungsparcours in lockerer Chronologie durch Zielonys Werk. Neben bekannten Serien wie seinem Biennale-Beitrag The Citizen (2015) und den Stop-Motion- Videos Vele (2009/10) und Maskirovka (2016/17) wird auch die erst selten gezeigte und in Japan entstandene Videoarbeit Hansha (2019) zu sehen sein. Der Rundgang endet mit der neuen Videoarbeit Apollo (2021) und der neu entwickelten Rauminstallation The Fall (2021), die beide erstmals im Rahmen der Ausstellung präsentiert werden.

Mit der Arbeit The Fall nimmt Tobias Zielony Bezug auf die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend veränderten Produktions- und Distributionsmöglichkeiten fotografischer Bilder – derer er sich selbst bedient. Mittels Instagram lässt er seine „Community“ an seiner künstlerischen Arbeit teilnehmen, schöpft aber auch aus ihr. The Fall spiegelt diese neuen und offenen Produktionsweisen wider. In Form eines sich selbst permanent überschreibenden Archivs reihen sich an den Wänden über vierzig Bilder aneinander und übereinander. In der Mitte des Raums wird mit einer abstrahierten Plattform und Skater-Rampe ein symbolischer Stadtraum geschaffen, der Treffpunkt und Ort des Verweilens sein kann und auch als Bühne fungiert, u. a. für das Workshop-Programm zur Ausstellung.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Tobias Zielony als Vertrauter und Beobachter mit seiner Kamera begleitet, bewegen sich meist in urbanen Räumen und städtischen Randzonen, gehören mal der Techno-, LGBTQIT*- und auch Skater-Szene an, oder sind aus Afrika nach Deutschland geflüchtet. Zielony ist weltweit unterwegs, um seine Protagonist:innen zu finden, und lässt sich von seiner inneren Neugier leiten, die ihn zu immer neuen Begegnungen mit jungen Menschen in ihrem sozialen Umfeld führen – sei es in Neapel in einem von der Camorra beherrschten Wohnviertel oder im subkulturellen und queeren Underground in Kiew. Dabei arbeitet er an der Schnittstelle zwischen fiktiven und dokumentarischen Behauptungen und erforscht die politischen und ästhetischen Potenziale, aber auch die Grenzen des Dokumentarischen. Seine fotografischen wie filmischen Arbeiten sind geprägt von einem kritischen Verständnis des Genres und dem Streben nach Selbstbestimmung und Emanzipation der Protagonist:innen.

Tobias Zielony setzt sich in seinen Arbeiten immer wieder mit dem Begriff der Jugendkultur in Bezug auf Herkunft, Repräsentation und Mode und der damit einhergehenden Definition von Identität in der sich verändernden medialen Wirklichkeit auseinander. Das Aufkommen sozialer Netzwerke und der damit einhergehende Austausch unzähliger fotografischer Bilder haben die Idee des Selbst und die Formen von (Selbst-)Repräsentation grundlegend verändert. Zielony zeigt seine Protagonist:innen als selbstbewusste Teilnehmende in diesem Wechselspiel, die trotz kultureller und sozialer Unterschiede in einem globalen Kosmos sozialer Codes und Selbstbildnisse agieren.

Im Verlag Spector Books erscheint eine Publikationsreihe mit sechs Ausgaben: ausgewählte Foto- und Videoarbeiten von Tobias Zielony treffen darin auf Texte der Autor:innen Sophia Eisenhut, Joshua Groß, Dora Koderhold, Enis Maci, Mazlum Nergiz und Jakob Nolte.