Aufgrund der Corona-Pandemie wurden Preisverleihung und Präsentation von Betye Saar in den Frühsommer 2021 verschoben. Am 30. Mai 2021 wird die amerikanische Künstlerin nun mit dem 26. Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig per Zoom

ausgezeichnet.

Die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig hat im Rahmen der Preisvergabe an Betye Saar die Assemblage The Divine Face aus dem Jahr 1971 gemeinsam mit dem Museum Ludwig für die Sammlung des Museums angekauft. Diese wird gemeinsam mit zwei durch die Initiative „Perlensucher am Museum Ludwig“ neu erworbenen Radierungen sowie einer Collage und einem Künstlerbuch vom 1. Juni bis 12. September 2021 in der Sammlung des Museums präsentiert. In diesem Zusammenhang wird auch der Film Betye Saar. Taking Care of Business gezeigt, der vom Los Angeles County Museum of Art (LACMA) für die dortige Ausstellung in

2019/2020 produziert wurde.

Es ist mehr als an der Zeit, die 1926 in Los Angeles geborene, in Deutschland bisher wenig bekannte Künstlerin zu würdigen, entschied die Jury bestehend aus Christophe Cherix, Robert Lehman Foundation Chefkurator für Zeichnung und Grafik am Museum of Modern Art (MoMA) in New York, Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig sowie den Vorstandsmitgliedern des Fördervereins. Betye Saar schafft seit über 50 Jahren Assemblagen aus den verschiedensten

gefundenen Objekten, die sie mit Zeichnung, Drucken, Malerei oder Fotografie kombiniert.

Gastjuror Christophe Cherix über Betye Saar: „In der US-amerikanischen Kunst nimmt Betye Saars Werk eine Schlüsselposition ein. Ihre Assemblagen aus den 1960ern und frühen 1970ern verknüpfen Fragen von Ethnie, Politik und übernatürlichen Glaubenssystemen mit ihrer persönlichen Geschichte. Saar, die in einer von Segregation geprägten Gesellschaft aufwuchs, hat über all die Jahre an ihrem Glauben festgehalten, dass Kunst unsere finstersten Momente und tiefsten Ängste überwinden kann. Heute schöpft eine neue Generation von Künstler*innen aus ihrem überwältigenden Werk und macht deutlich, wie Saar den Lauf der US-amerikanischen Kunst verändert hat. Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 2020 werden Saars außerordentliche Leistungen und ihr Einfluss gewürdigt. Zugleich wird die Notwendigkeit anerkannt, dass die Geschichtsschreibung der Kunst der letzten Jahrzehnte überdacht werden muss.“

Über Betye Saar
Betye Saar lebt und arbeitet seit über 50 Jahren am Laurel Canyon in Los Angeles (L.A.). Seit 1961 hatte sie unzählige Ausstellungen, vor allem in den USA. Zu den frühen wichtigen Einzelausstellungen zählen u.a. Black Girl’s Window im Berkeley Art Center in Kalifornien (1972) und Betye Saar im Whitney Museum of American Art in New York (1975). Im Herbst 2019 eröffneten das MoMA in New York Betye Saar: The Legends of Black Girl’s Window (21. Oktober 2019 – 4. Januar 2020) sowie das Los Angeles County Museum of Art Betye Saar: Call and Response (22. September 2019 – 5. April 2020). Inzwischen machte Betye Saar: Call and Response in New York in der Morgan Library & Museum Station (12. September 2020 – 31. Januar 2021) und ist aktuell im Mississippi Museum of Art in Jackson, Mississippi zu sehen (10. April – 11. Juli 2021), danach im Nasher Sculpture Center in Dallas, Texas (25. September 2021 – 2. Januar 2022). Das Institute of Contemporary Art in Miami, Florida, wird in Betye Saar: Serious Moonlight den Fokus auf Saars installative Arbeiten der 1980er und 1990er richten (21. Oktober 2021 – 6. März 2022). Saar ist zudem Teilnehmerin zahlreicher Gruppenausstellungen, u.a. Now Is The Time: Recent Acquisitions to the Contemporary Collection, Baltimore Museum of Art, Baltimore, Maryland (2. Mai – 18. Juli 2021), oder Supernatural America: The Paranormal in American Art, Toledo Museum of Art, Toledo, Ohio (12. Juni – 5. September 2021), Speed Museum of Art, Louisville, Kentucky (7. Oktober 2021 – 2. Januar 2022), Minneapolis Institute of Art, Minneapolis, Minnesota (19. Februar – 15. Mai 2022).

Das Museum De Domijnen in den Niederlanden widmete Betye Saar ihre erste Einzelausstellung in Europa (2015), die Retrospektive Uneasy Dancer in der Fondazione Prada in Mailand folgte ein Jahr später. Saar ist Trägerin von sechs Ehrendoktorwürden und wurde mehrfach für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Im Mai 2021 wurde Betye Saar als neues Mitglied in die renommierte American Academy of Arts and Letters aufgenommen.