Neo Rauch zählt international zu den herausragenden Malern der Gegenwart. Sein Werk ist singulär, vielleicht weil es in einem für die zeitgenössische Kunst außerordentlichem Maß aus der Innenwelt oder der vom Unter- und Unbewussten gespeisten Imagination des Künstlers schöpft. Unausdeutbar und beunruhigend erscheinen seine Bildwelten, rätselhaft die Figuren in ihren Handlungen.

Die Ausstellung Der Beifang zeigt Papierarbeiten, die nach 2000 entstanden, viele davon in den 2010er Jahren. Die zumeist großformatigen Bilder stammen aus dem Privatbesitz des Malers und kreisen um Themen, die ihm am Herzen liegen – darunter auch biografische Erlebnisse oder sein Selbstverständnis als Künstler.

„Auf dem Papier zu arbeiten“, so Neo Rauch, „ist immer eine erfrischende Abwechslung. Es sind ja eigentlich Malereien auf Papier, es sind ja keine Zeichnungen in dem Sinne. Ich kann mich des malerischen Zugriffs nie enthalten.“ (Neo Rauch im Gespräch mit Ralph Keuning, in: Neo Rauch. Handlauf. Neues und Nachgereichtes, Leipzig 2020, S. 78).

Die Ausstellung wird dominiert von großformatigen Papierarbeiten, die in Komposition und Farbigkeit durchformuliert sind und darin an Rauchs Leinwandbilder erinnern. Die Rolle der Farbe und das – in der Begrifflichkeit des Künstlers – „Farbregime“, dem jedes Bild unterworfen ist, werden hier unmittelbar ersichtlich. Neben den Großformaten zeigt die Ausstellung auch eine Auswahl kleinerer Blätter, die einen weniger bekannten Bereich in Neo Rauchs künstlerischem Schaffen vermitteln: Lockerer im Duktus und überschaubarer in der Szenerie, sind sie jedoch kaum weniger untergründig. Auch wenn das eine oder andere Motiv in größerer Dimension auf Papier oder Leinwand wiederkehrt, handelt es sich bei diesen Blättern nicht um Vorarbeiten. Dies gilt im Wesentlichen ebenso für die teils flüchtigen, teils minutiösen Zeichnungen aus dem Atelier heraus – dem dritten Aspekt dieser sehr privaten Ausstellung.

Zur Ausstellung erscheint im HIRMER Verlag eine umfangreiche Begleitpublikation mit einem Künstlerinterview, geführt von Michael Philipp, und einem Text von Kyllikki Zacharias („Das Märchen vom Künstler, der auszog, das Sterben zu lernen“) sowie zusätzlichen Abbildungen mehrheitlich noch nicht publizierter, kleinerer Blätter in Mischtechnik und von Zeichnungen.

Neo Rauchs letzte institutionelle Einzelausstellung in Berlin war 2001 im Deutsche Guggenheim zu sehen.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Cerstin Richter-Kotowski, Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf.


Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf