Anknüpfend an sein Online-Performance-Projekt "Isolation Consultation" während des Corona-Lockdowns von März bis Mai 2020, für das Clemens Krauss in über 200 psychoanalytischen Einzelsitzungen mit Menschen aus aller Welt über Extremsituationen der unmittelbaren Gegenwart gesprochen hat, versteht sich "Massen / Masses" als materialisierter Kommentar zu den Umbrüchen und Entfremdungen unserer Zeit. Für die Ausstellung werden die Räumlichkeiten des HaL durch diverse Einbauten in einen Parcours verwandelt, der nur in einer Richtung begehbar ist und zur körperlichen und geistigen Selbsterfahrung einlädt. In dessen Zentrum befindet sich ein abgetrennter Raum, in dem Clemens Krauss über die gesamte Ausstellungsdauer eine Performance in Form von Gruppensitzungen mit bis zu zwölf Teilnehmenden durchführt.

Der psychoanalytischen Praxis entsprechend finden die 90-minütigen Sitzungen zu regelmäßigen Terminen in einem geschützten, anonymisierten Ambiente statt. Die Inhalte werden nicht aufgezeichnet, sind aber wesentlicher Bestandteil des Ausstellungskonzeptes. Die Teilnehmenden und der Künstler begegnen sich als gleichberechtigte Beitragende zu einem erweiterten Verständnisprozess übergeordneter Zusammenhänge. Die Dynamik der Gruppe basiert auf dem kollektiven Wissen, dem gemeinsamen Unbewussten sowie den individuellen Biografien der Teilnehmenden. 

Die Teilnahme an den Sitzungen ist kostenlos, die Anzahl der Teilnehmenden begrenzt. Die Sitzungen finden prinzipiell auf Deutsch statt; es besteht aber die Möglichkeit bei einer ausreichenden Anzahl von Teilnehmenden eine englischsprachige Gruppe zu bilden. Anmeldungen sind ab sofort möglich unter: sitzungen@hal-berlin.de   

In der vielschichtigen Rauminstallation, die sich an dem Grundriss der in der Gründerzeit gebauten Stadtvilla orientiert, zeigt die Ausstellung größtenteils aktuelle, speziell für diesen Kontext geschaffene Arbeiten des Künstlers. Das Werk „Selbstportrait als Kind“ (2017) wurde noch nie in Berlin gezeigt und ist von Clemens Krauss mit bewusstem Bezug zu den Gruppensitzungen ausgewählt worden. Weiterhin werden neue Malereien auf Leinwand und Skulpturen aus geschichteter, reiner Ölfarbe präsentiert. Eine großformatige Wandarbeit wird von Clemens Krauss kontinuierlich während der gesamten Laufzeit der Ausstellung weiterentwickelt – auch als Ausdruck des prozessualen Charakters des gesamten Projektes, das auf der Interaktion mit den Besucher*innen und der psychischen und physischen Verausgabung des Künstlers basiert. 

Clemens Krauss wurde 1981 in Graz, Österreich, geboren und lebt seit 2007 in Berlin. Er hat neben seinem Kunststudium auch Medizin studiert und eine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolviert. Krauss hat in den letzten Jahren in zahlreichen namhaften internationalen Museen und Institutionen ausgestellt. Im Jahr 2019 war er der einzige österreichische Teilnehmer an der Internationalen Havanna Biennale.Aus Anlass der Ausstellung erscheint gegen Ende ihrer Laufzeit eine monographische Publikation.