„Pflanzen brechen aus der Erde“ umkreist das für den historischen Surrealismus ungewöhnliche Thema des Organischen und Vegetabilen. Titelgebend ist ein kleines, 1928 entstandenes Gemälde des wenig bekannten Malers Max Kühn (1888–1970). Dieses wird nun erstmals ausgestellt und überrascht in seiner Nähe zu einer surrealistischen Frottage von Max Ernst – den hypertrophen „Blättern“ („Feuilles“, 1925). Spielt das Thema der Natur ansonsten im Surrealismus eher eine untergeordnete Rolle, ergeben die in der Sammlung Scharf-Gerstenberg aufgezeigten Randerscheinungen, Vorläufer, Nachfolger und verwandten Ausdrucksformen ein anderes Bild des Surrealismus.

Denn unter ihnen finden sich durchaus Werke, in denen das Organische und Vegetabile von zentraler Bedeutung ist. Insbesondere im Schaffen von Jean Dubuffet (1901–1985), dem Begründer der sogenannten Art brut, tauchen immer wieder Werkstoffe auf, die sich explizit auf die Natur beziehen. Auf der Suche nach einer „rohen“, ursprünglichen, von Kultur und Zivilisation unkorrumpierten Kunst verarbeitete er Materialien wie Sand, Blätter, Gräser und Blüten, sogar Schmetterlingsflügel finden sich in seinen Arbeiten. Viele der gezeigten Gemälde und Skulpturen sind in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Krisenzeiten entstanden, von der Wirtschaftskrise 1929 bis in die Nachkriegszeit der 1950er-Jahre.

„Erdweh” oder „Raumkonzept. Natur“ von Roberto Matta beziehungsweise Lucio Fontana heißen weitere Werke im Zentrum der rund 40 Werke umfassenden Präsentation in der Sammlung Scharf-Gerstenberg. Keines von ihnen zeigt einen Menschen, höchstens nicht näher definierte Wesen sind zu erkennen. „Pflanzen brechen aus der Erde“ ist eine Ausstellung über das geheime Leben der Natur, das sich dem alltäglichen Blick verschließt und nur in der Kunst gelegentlich zum Vorschein kommen kann.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Samstag -  Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum

Kühn, Max (20.11.1888 - 1970), Pflanzen brechen aus der Erde, 1928 Öl und Tempera auf Holz, 28,5 x 29,5 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie Foto: bpk / Andres Kilger
21.05. - 30.09.2021

Pflanzen brechen aus der Erde. Natur und Kunst von Max Ernst bis Nuria Queved

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Schloßstraße 70
14059 Berlin