Der britische Architekt Mark Fisher (1947–2013) war ein großartiger Designer von Rockkonzerten und spektakulären Entertainment-Events. Als Fisher in den späten 1970er Jahren begann, Bühnenbilder für Rockkonzerte zu entwerfen, waren es die Zuschauer noch gewöhnt, Bands auf leeren Bühnen spielen zu sehen, allenfalls mit ein paar blinkenden Lichtern und einem flimmernden Video im Hintergrund. Mit seinem brillanten Gespür und seinem technischen Können verwandelte Fisher Konzerte in ein Theater der Sinne.

Fishers fantasievolle Ideen wurzeln in seiner radikalen Ausbildung an der Architectural Association School of Architecture in London unter dem Einfluss der Avantgarde-Gruppe Archigram, die sich für technologische, mobile Städte einsetzte – was genau das ist, was Fishers gigantische Rockshows geworden sind, als sie auf Tour gingen und über den Globus reisten. Die Mitglieder von Archigram wie Peter Cook und Ron Herron waren dafür bekannt, dass sie ihre nicht realisierbaren Fantasien ausschließlich in ihren Architekturzeichnungen zum Leben erweckten. Auch Fisher setzte seine architektonischen Ideen zeichnerisch um, allerdings in praktisch ausführbaren Entwürfen von solcher Schönheit und Kunstfertigkeit, dass er zu den größten Architekturzeichnern seiner Generation zählt.

In Deutschland wird Mark Fisher als der Designer gefeiert, der zusammen mit seinem Partner, dem Ingenieur Jonathan Park, jenen großen historischen Moment mitgestaltete, den fast eine halbe Million Menschen live und Millionen weitere im Fernsehen weltweit verfolgten: das legendäre Konzert The Wall – Live in Berlin von Roger Waters von Pink Floyd und Gastkünstlern, das in der Nacht des 21. Juli 1990, neun Monate nach dem Fall der Berliner Mauer, im damaligen Niemandsland zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor stattfand.

Ein wichtiger Teil der Ausstellung Mark Fisher: Gezeichnete Show ist diesem Konzert gewidmet, angefangen mit Fishers erster Idee 1978 für eine gigantische „Schnecke“, eine aufblasbare Struktur für Pink-Floyd-Konzerte auf dem Land. The-Wall-Tournee der Band 1980/81 wurde berühmt für ihre gigantischen aufblasbaren Figuren wie den bedrohlichen, vom Illustrator Gerald Scarfe entworfenen „Lehrer“, der während der Vorstellung hinter der Bühne aufstieg. Als am Ende der Show in Berlin 1990 die Mauer einstürzte, tobte die Menschenmenge und schrie „Tear down the Wall“. Neben meisterhaften, in Bleistift ausgeführten Perspektiven hat Fisher auch eindrucksvolle und leicht verständliche Zeichnungen geschaffen, die die technischen Aspekte der Realisierung dieses Großevents illustrieren.

Fisher gehörte zu einer Generation, die sich mühelos zwischen Handzeichnung und dem aufkommenden computerunterstützten Design (CAD) bewegte. Obwohl er ein Meister der Skizze und der Präsentationszeichnung war, war und mit seinen Werken Stars wie Mick Jagger, Tina Turner und Janet Jackson gleichermaßen beeindruckte, vermochte er es genauso schnell, sich die Technik der damals neuen Software-Programme anzueignen und ihre Möglichkeiten auszuschöpfen.

Die über hundert ausgestellten Zeichnungen, die durch Fotografien und Filmmaterial der Events ergänzt werden, zeigen den fließenden Übergang vom Analogen zum Digitalen in seiner architektonischen Kommunikation.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Die Ausstellung basiert auf Leihgaben der Sammlung Mark Fisher, mit freundlicher Genehmigung von Cristina Garcia/Stufish Architects. Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Neil Bingham.

Dr. Neil Bingham ist Architektur- und Designhistoriker. Er war tätig als Kurator für Architekturzeichnungen am Royal Institute of British Architecture, an der Royal Academy of Arts und am Victoria and Albert Museum. Er ist Professor an der New York University in London. Zu seinen Publikationen gehören 100 Years of Architectural Drawing, 1900–2000 (2012), Masterworks: Architecture at the Royal Academy of Arts (2011), Fantasy Architecture: 1500–2036 (2004) und Modern Retro: Living With Mid-century Style (2000).