Die Frage nach dem mediatisierten Bild und dessen normativer Wirksamkeit auf die Wahrnehmung von «Welt» oder «Realität» ist zentral für das Werk von John Miller (*1954, lebt in New York und Berlin). Aus dem Umfeld der so genannten «Picture Generation» hervorgehend, mit Weggefährten wie Mike Kelley oder Jim Shaw, umfasst sein postkonzeptueller Ansatz Skulptur, Malerei, Fotografie und Video. Zugleich ist Miller als Musiker und Kunstkritiker tätig, seit 2000 ist er Professor am Barnard College, Columbia University New York.

Schon in einem seiner frühesten Werke «Contradicting Statements» (1977) zeichnen sich zentrale Aspekte seines Schaffens ab: Die Unabdingbarkeit von Widersprüchlichkeiten, die gesellschaftlich verhandelt werden müssen, wie auch das Bild von Welt und Gesellschaft, welches nur mehr in der medialen oder kommodifizierten Verzerrung überhaupt sichtbar wird. Die aktuell allgegenwärtige Digitalisierung wurde unter dem Einfluss der Pandemie zusätzlich beschleunigt und verändert Formen von Öffentlichkeit rasant. In allen gesellschaftlichen Bereichen machen wir vermehrt die Erfahrung, dass die Bereitschaft, eine von der eigenen Meinung abweichende Haltung wahrzunehmen und in einen Dialog zu treten, abnimmt. Damit sind grundlegende demokratische Prinzipien in Gefahr. Nicht nur beobachtet Miller die Konfliktlinien, die um Widersprüchlichkeiten entstehen, mit Präzision und humorvoller Poesie, sondern er nutzt sie auch als künstlerisches Mittel.

Neben der historischen Dokumentation des als Performance entwickelten Werks, wird die jüngst entstandene Arbeit «Auto Fiction» (2021) präsentiert, ebenso eine Reihe jüngerer Videoarbeiten («Free Association», 2020, «Walking in the City» 2017, «In the Middle», 2016, «Reconstructing a Public Sphere», 2016), die oft die Form einer gängigen Powerpoint Präsentation nutzen. Indem Miller Bild- und Sprachsequenzen in unterschiedlich mäandrierenden Rhythmen mit oft sich gegenläufig verhaltenden Inhalten aufeinander prallen lässt, tastet er die Veränderungen der Bedeutung und Form von Öffentlichkeit im urbanen Stadtraum ab. Themen wie 9/11, die Flüchtlingskrise oder auch der Lockdown werden offenkundig, ebenso persönliche Erfahrungen und Emotionen des Künstlers selbst wie auch die Position der Betrachter*innen werden virulent. Im Vordergrund stehen sich antagonistisch verhaltende Pole. Dabei geht es keineswegs um Relativierung, sondern um die unausweichlichen Verstrickungen in Widersprüchlichkeiten, sowohl der Betrachter*innen wie auch des Autors selbst. Die filmischen Arbeiten werden von Werken aus der Reihe der «Social Portraits» und «In the middle of the Day» (seit 1994 fortwährend) ergänzt. Auch diese bildnerischen Arbeiten zeugen von der großen Beobachtungsgabe des Künstlers, mit welcher er die Organisationsformen gemeinschaftlichen Lebens unaufgeregt, aber punktgenau ins Visier nimmt.


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