Am 27. August 2021 startet auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen NEW NOW, das neue Festival für Digitale Künste. Rund 60 internationale Künstler:innen zeigen in einem abwechslungsreichen Programm ihre Werke. NEW NOW präsentiert so über fünf Wochen bis zum 3. Oktober 2021 die Vielfalt der Digitalen Künste – vom Produktionsprozess bis zur Ausstellung, live und digital. An der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft entstehen in den ersten drei Wochen des Festivals auf zwei Etagen der Mischanlage raumgreifende Kunstinstallationen. „Mit NEW NOW verwandeln wir das Welterbe Zoll- verein in ein temporäres Zentrum einer neuen Produktionskultur und Kunstbewegung – kreativ, progressiv und agil“, so Jasmin Grimm, die Künstlerische Leitung von NEW NOW, zugleich Künstlerische Leitung der Stiftung Zollverein mit Schwerpunkt auf Digitale Künste.

Im Anschluss an die öffentliche Produktionsphase folgt ab dem 17. September 2021 die Präsentation der finalen Werke – mit einer Ausstellung und weiteren künstlerischen Highlights wie der spektakulären Lichtinstallation Another Moon von Kimchi and Chips. Die Installation lässt jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit einen zweiten Mond über Zollverein aufgehen. Das koreanisch-britische Duo zeichnet mit 40 Laserprojektoren, gespeist aus Sonnenenergie, einen virtuellen Mond in den Himmel. Nach sechs Jahren Entwicklung feiert Another Moon bei NEW NOW nicht nur Weltpremiere, sondern zelebriert als monumentales Signal auch das Ende der Steinkohle-Ära.

Zahlreiche künstlerische Positionen setzen sich mit dem industriellen Erbe der Region auseinander – Joanie Lemerciers Werkreihe Slow Violence – The Hambach Forest and the Techno- logical Sublime erkundet die Aus- wirkungen des Übertagebaus auf einen der ältesten Wälder Europas. Stine Deja fragt mit ihrer Arbeit nach der Bedeutung von Kohle und Feuer für unser Zusammenleben. Studio Above&Below schaffen virtuelle Skulpturen aus den Vermessungsdaten der Ruhr. Und das Virtual Reality Studio Marshmallow Laser Feast zeigt mit ihrer Arbeit Treehugger: Wawona das Innenleben des weltweit größten Baums und hin- terfragt unsere Beziehung zur Natur in Zeiten von Krise und Wandel.

Der britische Komponist und Künstler Matthew Herbert sammelt in Kollaboration mit dem Essener Projekt Stone Techno neue Klänge unter Tage und fördert so die Geräusche der Gesteine und Kohleflöze der Zeche Zollverein zutage. Herberts Weltpremiere Wishmountain und weitere audiovisuelle Arbeiten sind Bestandteil der Immersive Sound Nights. An zwei Abenden, am 27. August und 17. September 2021, treffen Musik und visuelle Kunst in Live-Performances aufeinander. In Kooperation mit MUTEK Montréal, Festival für digitale Kreativität und elektronische Musik, wird die Misch- anlage von renommierten Künstler:innen mit experimentellen, elektronischen Klängen und Visuals bespielt. Die Teilnahme an den Immersive Sound Nights ist live vor Ort aber auch digital möglich.

Das Festival kann digital über die Plattform ZECHE des Medienkünstlers Christian Mio Loclair besucht werden. ZECHE ist ein postapokalyptischer Dschungel in Computerspielästhetik, der die historischen Gebäude Zollvereins überwuchert. Loclair hat mit seiner ZECHE eine digitale „Art-in-Art“-Experience erschaffen, indem er Werke teilnehmender Künstler:innen in seine Arbeit integriert. Die virtuelle ZECHE geht zeitgleich zum Festivalstart, am 27. August 2021, online.

Das Wochenende der Ausstellungseröffnung, am 18. & 19. September 2021, begleitet die interdisziplinäre Konferenz Another End is Possible. For- schende und Künstler:innen sprechen über postapokalyptische Gesellschaftsentwürfe und die Forderung nach neuen Gegenwarten. Die Künstlerin und Afrofuturistin Ingrid LaFleur verschreibt sich dem „Pleasure Activism“.

In ihrer Keynote widmet sie sich dem Thema Trauer und zeigt Wege in ein hoffnungsvolles „neues Jetzt“ auf. Eine weitere Keynote-Speakerin, Nelly Ben Hayoun, spricht über utopische Gesellschaften auf dem Mond und post-migrantische Kolonien abseits der Erde. Das vielfältige und internationale Line-Up der Konferenz verspricht lebendige Gesprächsrunden, interaktive Workshops und künstlerische Interventionen, die neue Denkanstöße liefern.

Die Besucher:innen von NEW NOW erwartet ein Programm für alle Sinne und „Sensoren“ – neue Formen der digitalen Kunstproduktion können live beobachtet und ausprobiert werden. Unter dem Leitbild einer „Lebendigen Skulptur“ sind alle Interessierten eingeladen, selbst an der Transformation der Mischanlage teilzunehmen – durch den Besuch der Ausstellung, über die Teilnahme an Workshops und Performances, oder im Austausch während der Konferenz. Das Festivalprogramm ermöglicht mit- zuerleben, wie sich das UNESCO-Welterbe Zollverein fünf Wochen lang in ein Labor digitaler Kunstproduktion verwandelt.


Weitere Informationen direkt unter: newnow-festival.com oder zollverein.de