Mitte des 20. Jahrhunderts erfuhr das rechteckige, gerahmte Tafelbild schwere Erschütterungen. Künstlerinnen und Künstler stellten alle vermeintlichen Prinzipien der Malerei in Frage. Farbe wurde getropft und geschossen, Leinwände durchbohrt und zerschnitten, die Malerei wuchs in den Raum und veränderte ihre Form. Bei der Neuausrichtung des Mediums spielten die sogenannten Shaped Canvases (dt.: geformte Leinwände) eine zentrale Position. Gebogene, dreieckige oder polygonale Bildträger ermöglichten neue Perspektiven: Inhalt und Form fielen ineinander und machten den umgebenden Ausstellungsraum zum Teil des Werks. Bis heute hat das Spiel mit ungewöhnlichen Bildformaten nichts an Reiz verloren, weswegen zahlreiche junge Künstlerinnen und Künstler immer neue Formate entwickeln und die „Shaped Canvases“ für das 21. Jahrhundert aktualisieren. Exemplarisch für das breite Spektrum des Themas zeigt das Museum Villa Rot Werke von fünf Kunstschaffenden.

Marco Stanke baut seine Leinwände aus genormten Keilrahmenelementen und bemalt sie mit Farbe. Im Vergleich zu Werken vorangegangener Jahrzehnte betont der Münchner Künstler jedoch das Handgemachte, Unperfekte und versteht seine „Bilddinge“ als Teile, mit denen er Gesamtkompositionen schafft. Dadurch wird die Wand zum eigentlich Bildgrund.

Dominik Halmer erweitert seine multimaterielle Malerei in den Raum und lässt einzelne Werke miteinander in den Dialog treten. Mit seinen Rauminszenierungen fragt er danach, wann man überhaupt von einem Bild spricht und wie dieses mit Bedeutung versehen wird.

Colin Pennos Werke sind Hybride aus raumspezifischen Installationen, Malerei, Skulptur und digitalem Entwurf. Für das Museum Villa Rot entwickelte er eine Arbeit, welche die Fenster der Kunsthalle bespielt und diese dadurch zum Teil des Werks macht.

Der Franzose Jonathan Binet verfolgt eine prozesshafte Herangehensweise an das Thema der Shaped Canvases. Sich wiederholende Formelemente werden variiert und durch impulsive, malerische Gesten erweitert. Auch für Binet ist die Arbeit mit einem gegebenen Ort und die Anpassung von einzelnen Werbestandteilen an einen größeren Kontext essenziell.

Im Hoenes-Saal zeigt Birte Horn eigens für den Raum entwickelte Arbeiten. Ihre Arbeiten betitelt die Künstlerin oft mit „stück“ oder „konstrukt“, worin sich bereits eine künstlerische Herangehensweise zeigt. Horn fragmentiert, kombiniert, zerschneidet und schafft so neue, sich überlagernde Bildräume.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Samstag: 14:00 - 17:00 Uhr
Sonntag und Feiertag: 11:00 - 17:00 Uhr
Montag - Dienstag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: villa-rot.de