Die von der Stiftung Brandenburger Tor gemeinsam mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) entwickelte Ausstellungsreihe SateLIT umkreist einen literarischen Kern aus neu entdeckten Archivbeständen des DLA im Spannungsfeld der Formate Ausstellung, Debatte, Social Media, Film und Theater.

SateLIT 2 entdeckt die Schauspielerin und Drehbuchautorin Salka Viertel (1889-1978) wieder. Viertels Nachlass kam nach ihrem Tod 1980 ins DLA, die bedeutendsten Stücke daraus werden nun erstmals in der Stiftung Brandenburger Tor der Öffentlichkeit präsentiert. Rund 100 Fotos (darunter seltene gezeigte Hollywood-Filmausschnitte des Ehepaars Viertel), knapp 40 Brief-Faksimiles sowie Audio-Zitate aus ihrer Autobiografie veranschaulichen dieses so besondere Lebenswerk, in dem sich die Spannungen zwischen Theaterkultur und Filmindustrie, Europa und Amerika, eingängigen Erzählungen und komplexen Dramen spiegelt. Salka Viertel spielte in der Weimarer Zeit in Berlin Theater unter Max Reinhardt und lernte in Wien ihren Mann, den Regisseur und Autor Berthold Viertel, kennen, mit dem sie zusammen lebte und arbeitete. Aus einem geplanten Intermezzo in Hollywood wurde schließlich aufgrund der Machtübernahme der Nationalsozialisten unverhofft ein neuer Lebensmittelpunkt, wo sie schnell Fuß fasste und Erfolge feierte.

In den 1920ern gründete Salka Viertel in Berlin mit ihrem Mann, dessen Nachlass sich ebenfalls im DLA befindet, ein eigenes Ensemble. 1928 zogen beide von Berlin nach Hollywood, da Berthold dort lukrative Drehbuch-Aufträge in Aussicht gestellt wurden und Europa für Juden immer unsicherer wurde. Ab 1933 entwickelte Salka Viertel eigene Stoffe und arbeitete an mehreren Drehbüchern mit. Im Gegensatz zum europäischen Autorenkino sah das Hollywoodsystem vielfältige Co-Autorenschaften und Umarbeitungen vor. Sie war im Lauf der Zeit bei einigen der großen Produktionsfirmen als Autorin angestellt: bei MGM, Warner Brothers und Paramount.

165 Mabery Road in Santa Monica war nicht nur über viele Jahre hinweg das Zuhause der Familie Viertel, sondern auch ein regelmäßiger Treffpunkt der deutschen Exil-Gemeinde von Los Angeles. Dort unterhielt Salka Viertel eine Art Salon, in dem europäische Exilanten auf Hollywoodgrößen trafen. Zu den illustren Gästen zählten im Lauf der Zeit u.a. Greta Garbo, Francesco und Eleonora von Mendelssohn, Ernst Lubitsch, Friedrich Wilhelm Murnau, Heinrich und Thomas Mann mit Familie, Bertolt Brecht, Max Reinhardt, Arnold Schönberg, Hanns Eisler, Charlie Chaplin, der Tarzan-Darsteller Johnny Weissmuller und Aldous Huxley.

Ihrer engen Freundin Greta Garbo schrieb sie als Drehbuchautorin diverse Rollen auf den Leib und brachte neue, europäische und historische Themen nach Hollywood. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Herausforderung, Drehbuchstoffe für Garbo zu finden. Garbo gehörte zu den wenigen Stummfilmstars, die ihren Ruhm im Tonfilm noch steigern konnten. Salka Viertel wurde diejenige, die für sie neue Stoffe und Figuren, jenseits derjenigen des Vamps, suchte und erarbeitete. Dabei griff sie auch auf europäische literarische oder historische Stoffe zurück – etwas für Hollywood vollkommen Neues.

Als die Repressalien und Bedrohungen für Juden, Kommunisten und Liberale im nationalsozialistischen Deutschland nach 1933 stärker wurden, setzte sich Salka Viertel engagiert für Geflüchtete und Fluchtwillige ein. Sie war frühe Unterstützerin des 1938 gegründeten European Film Fund, der in die USA emigrierte europäische Filmschaffende bei der Vermittlung von Affidavits (Bürgschaftserklärungen), Arbeitsverträgen und in finanziellen Notlagen unterstützte. Zudem versuchte sie auch über ihr privates Netzwerk, Emigrant*innen Arbeit in Hollywoodstudios zu vermitteln. Ihr engagierter Einsatz für Geflüchtete und Fluchtwillige aus dem nationalsozialistischen Deutschland hat im Leben vieler Menschen Spuren hinterlassen.