Jede Entscheidung, die über unser Erbe, über unser Leben getroffen wird, muss uns einbeziehen. (...).Wir wollen in der Lage sein, unsere Geschichten zu erzählen.“
Peju Layiwola, It ?s yours Kuratorin RESIST!, Januar 2021

Wir sind die Stimmen der Menschen, die 1904 gestorben sind. (...).Und deshalb sagen wir: Es kann nicht um uns gehen, ohne uns“.
Esther Utjiua Muinjangue, It ?s yours Kuratorin RESIST!, Januar 2021

Die Geschichte der Roma ist keine Geschichte der Opferrolle, sondern eine Geschichte des Überlebens und der Resilienz und des tatsächlichen Widerstands.
Tímea Junghaus, It ?s yours Kuratorin RESIST!, Januar, 2021

Wir sind auf jeden Fall alle Kölner*innen: (...). Wir positionieren uns als neue Deutsche und wollen auch die Anerkennung, die dazugehört. (...).das ist natürlich auch der Zugang zu Ressourcen und selbstverständlich politische Teilhabe.
Elizaveta Khan, It ?s yours Kuratorin RESIST!, Januar 2021

Der Widerstand gegen die Auswirkungen des kolonialen Erbes im Hier und Jetzt wird immer lauter: Er zeigt sich nicht nur in den aktuell scharf geführten Debatten zur Frage der Restitution der Benin Bronzen, das RJM bewahrt die viertgrößte Sammlung in Deutschland, von Deutschland zurück an Nigeria, sondern auch in der Umbenennung von kolonialen Straßennamen, der Zerstörung von Kolonialdenkmälern und nicht zuletzt durch die #BlackLivesMatter Bewegung.

Das ist der Hintergrund für die internationale Großausstellung „RESIST! Die Kunst des Widerstands“ des RJM, die 500 Jahre Praktiken antikolonialen Widerstands im Globalen Süden beleuchtet. Ab dem 1. April 2021 öffnet die Ausstellung endlich ihre Türen für die Besucher*innen.

Die Ausstellung ist eine Hommage an die Menschen, die auf unterschiedlichste Art und Weise konstant Widerstand geleistet haben und deren Geschichten bis heute kaum erzählt oder gehört wurden. Zugleich thematisiert sie die dramatischen Auswirkungen und das Fortbestehen von kolonialen Machtverhältnissen. Diese Ausstellung ist ein Versuch, die verborgenen Schichten und Geschichten des Widerstands freizulegen.

„Mit der Ausstellung wollen wir einen Verhandlungsraum schaffen, in denen kolonialen Widerstandsgeschichten mehrstimmig aus den Perspektiven von Künstler*innen und Aktivist*innen aus dem globalen Süden und der Diaspora erzählt werden können.“ so die Direktorin des RJM, Nanette Snoep.

Sechs Frauen - Künstlerinnen, Kuratorinnen und Aktivistinnen - wurden deshalb eingeladen, eigene Räume für die Ausstellung zu kuratieren. Die nigerianische Künstlerin und Kunsthistorikerin Peju Layiwola beschäftigt sich mit den geraubten Kulturgütern aus dem Königreich Benin (Nigeria), von denen sich 96 in der Sammlung des RJM befinden. Die namibischen Aktivistinnen Esther Utjiua Muinjangue und Ida Hoffmann erzählen eine deutsch- namibische Geschichte anhand des ersten Genozids des 20. Jh. an den Herero und Nama in Namibia und von ihrem Kampf für dessen Anerkennung. Die ungarische Kunsthistorikerin und Kuratorin Tímea Junghaus stellt eine Verbindung her zwischen Kolonialismus und dem Kampf um Selbstbestimmung von Sinti*zze und Roma*nja. Schließlich klagt der postmigrantische Kölner In-Haus e.V. mit den Aktivist*innen Elizaveta Khan, Mona Leitmeier, Sae Yun Jung, Salman Abdo und Rita Bomkamp den Rassismus in Deutschland an.

Anhand von zahlreichen historischen Objekten aus der ethnologischen Sammlung des RJM, sogenannten Zeugnissen von Widerstandsaktionen, die die Spuren von kolonialer Unterdrückung, Gegenwehr und Kampf, von Überleben und Heilung tragen, wird auch die eigene Sammlung des RJM neu beleuchtet.

Die offenen und subversiv geführten Kämpfe in 500 Jahren Widerstand werden zudem durch die künstlerischen Arbeiten von rund 40 zeitgenössischen Künstler*innen aus dem globalen Süden oder aus der Diaspora wie z.B. Kader Attia, Kara Walker, Patricia Kaersenhout und Ayrson Heráclito sichtbar, hörbar und erfahrbar gemacht.

Auch Tanz und Musik haben einen wichtigen Platz in der Ausstellung: Rokia Bamba, Soundkünstlerin und DJ wird im Ausstellungszeitraum ein Sound- und Stimmenarchiv des Widerstands entwickeln und die zwei Urban-Dance-Choreografinnen Bahar Gökten und Daniela Rodriguez Romero setzen sich in der Ausstellungsfläche mit jugendlichen urbanen Tänzer*innen performativ mit dem Thema Widerstand auseinander.

Die Ausstellung ist prozesshaft und partizipativ angelegt und soll sich im Laufe der Ausstellungsdauer mit Hilfe neuer partizipativer und inklusiver Vermittlungsformate weiterentwickeln (unter den Bedingungen der Pandemie). Die im Ausstellungsraum geplanten Werkstätten mit Live-Speakers, mit Künstler*innen, Aktivist*innen, Schulklassen, Studierenden, Initiativen und den Besucher*innen, in denen „Widerstand“ auf unterschiedliche Weise besprochen, bearbeitet und reflektiert werden soll sowie das Rahmenprogramm für verschiedene Altersgruppen mit Workshops, Performances, Filmvorführungen und Erzählcafés werden pandemiebedingt erst zu einem späteren Zeitpunkt „analog“ stattfinden.

Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Peter und Irene Ludwig Stiftung, der F . Victor Rolff-Stiftung, der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Museumsgesellschaft e.V. sowie im Programm 360° Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes.

Mit dem Programm „360° Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ unterstützt die Kulturstiftung des Bundes Kulturinstitutionen dabei, sich intensiver mit Migration und kultureller Vielfalt auseinanderzusetzen und neue Zugänge und Sichtbarkeiten für Gruppen der Gesellschaft zu schaffen, die bislang nicht angemessen erreicht wurden. Das Modellprogramm fördert zu diesem Zweck eine Vielfalt von Ansätzen, die auf die diversitätsbezogene Öffnung in den Bereichen Programm, Publikum und Personal zielen.

Foto: © RJM
01.04. - 05.09.2021

RESIST! Die Kunst des Widerstands

Rautenstrauch-Joest-Museum

Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln