In der „Sturm- und Drangperiode“ der „Brücke“ von 1905 bis 1909, so schrieb Lothar-Günther Buchheim in seinem Buch über die Künstlergruppe, von 1957, sei Heckel mit „bedenkenloser Kühnheit“ auf die Leinwände losgegangen. Er habe dabei eine „überraschende, uneingeschränkte Unmittelbarkeit“ erzielt. Mit den Gemälden „Landschaft bei Rom“ von 1909 aus der Sammlung Hermann Gerlinger und „Schlafender Pechstein“ von 1910 aus den eigenen Beständen verfügt das Buchheim Museum über zwei Hauptwerke aus dieser Pionierzeit der Moderne. Danach habe Heckel sich auf seine „lyrische Natur“ besonnen. „Sensible Sinnenhaftigkeit und konstruktive Klarheit“ seien die beiden Pole seiner Kunst gewesen, so Buchheim.

Am 27. Januar 2020 jährte sich der Todestag Erich Heckels zum 50. Mal. Dies ist Anlass für eine umfangreiche Retrospektive zu seinen Ehren im Buchheim Museum. 1883 im sächsischen
Döbeln geboren, 1970 im badischen Radolfzell gestorben, hat der bedeutende Protagonist der Moderne in Deutschland ein beträchtliches Lebenswerk hinterlassen. Dank der Zusammenführung der Sammlung Hermann Gerlinger und der eigenen Sammlung über gut 500 Werke von Heckel. Um das reiche OEuvre umfassend und doch übersichtlich darstellen zu können, wurde eine Auswahl von 16 Gemälden und rund 380 Arbeiten auf Papier getroffen. Dank der Fülle beider Kollektionen, aber vor allem dank der systematischen Sammlungsstrategie von Hermann Gerlinger, kann in der Ausstellung jedes Jahr von Heckels reichem Schaffens zwischen 1903 und 1968 mit Beispielen belegt werden: von den frühen Holzschnitten, bei denen der erst 20-jährige Gymnasiast in bemerkenswert moderner Verknappung das Motiv in den Druckstock einbrachte, über die farbgewaltigen Gemälde der„Brücke“-Zeit bis hin zu den letzten Lithografien, die der 85-jährige Künstler keine zwei Jahre vor seinemTod meisterhaft auf den Stein zeichnete.

Die Ausstellung umfasst die beiden großen Säle des Museums und ermöglicht eine vergleichende Betrachtung von graphischem und malerischem Werk. Auf der Galerie des Expressionistensaals sind zeitgleich Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein, den »Brücke«-Kollegen Heckels, mit Gemälden aus den Sammlungen Gerlinger und Buchheim zu einer kleinen Bestandsausstellung vereint.

Zur Ausstellung erscheint im Buchheim Verlag ein 416 Seiten starker Katalog. Das von Daniel J. Schreiber herausgegebene Buch enthält Texte von Hermann Gerlinger, Heinz Spielmann, Andreas Hüneke und Andreas Gabelmann. Auch eine Audioführung steht zur Verfügung. An 39 Hörstationen begleitet Direktor Daniel J. Schreiber die Besucher bei Ihrem Rundgang durch die Ausstellung.