Nevin Aladag bringt mit ihren ebenso schönen wie außergewöhnlichen Skulpturen Menschen zusammen und überwindet kulturelle Grenzen. Sie ist eingeladen, für die ikonische Glashalle im Rahmen der Reihe „Sculpture 21st“ eine Installation mit zwei neuen Arbeiten zu konzipieren. Die fantastischen Instrumentenskulpturen Resonator Percussion und Resonator Wind werden erstmals in Deutschland zu sehen sein. Nevin Aladag modelliert als Bildhauerin nicht mit klassischen Materialien, sondern verknüpft ihre Arbeiten mit Metaphern und Geschichten. Als möglichen Katalysator nutzt sie kulturelle Praktiken wie die Musikinstrumente, um über geistige und geografische Grenzen hinweg humorvoll und hintergründig zusammenzubringen, was scheinbar nicht zusammenpasst. Die Künstlerin sucht das utopische Potenzial im Alltag, um es dann frei nach Duchamp in ihre künstlerische Realität zu überführen. „Beim Arbeiten überlege ich immer: Was wäre, wenn die Dinge wirklich so wären, wie ich sie mir ausmale?“, fragt Nevin Aladag. „Und wäre diese Utopie dann eine denkbare Version eines weiteren Alltags?“ 

Nevin Aladags neueste polyphone Skulpturen sind surreale – oder besser – gesampelte Musikinstrumente. Denn die skulpturalen Collagen werden aus verschiedenen Instrumenten bzw. Mundstücken von Instrumenten zusammengebaut. Musikerinnen oder Musiker können parallel die vielgestaltigen Instrumente spielen. 

Aladags künstlerische Praxis ist von einem breiten medialen Spektrum geprägt, das sowohl ihre Performances als auch ihre Objekte und Rauminstallationen kennzeichnet. Die Künstlerin hat mit solchen hybriden Formen eine eigene visuelle Sprache gefunden, unsere Gesellschaft und die zu ihr in Beziehung stehenden Elemente zu porträtieren. Dabei überschreiten die Werke formale und funktionelle Einordnungen und bewegen sich ohne theoretische Überfrachtung durch historische, kulturelle und politische Diskurse. Aladags künstlerische Herangehensweise spricht einen der Kernpunkte des Potenzials von zeitgenössischer gesellschaftsrelevanter Skulptur an, die im Lehmbruck Museum in der programmatischen Reihe „Sculpture 21st“ präsentiert wird.

Die 1972 in Van in der Türkei geborene, deutsche Künstlerin Nevin Aladag wuchs in Stuttgart auf und studierte von 1993 bis 2000 Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste in München. Bekannt wurde Aladag vor allem 2017 durch ihre Teilnahme an der 57. Biennale von Venedig sowie an der documenta 14 in Athen und Kassel. Ihr „Musikzimmer“ am documenta-Standort Athen erhielt große mediale Aufmerksamkeit. Dort hatte sie alte Möbel von Musikinstrumentenbauern zu benutzbaren Saiten- und Schlaginstrumenten umbauen und von professionellen Musi­kern bespielen lassen. Sie ist momentan eine der innovativs­ten deutschen Künstlerinnen mit Einzelausstellungen in der Kunst­halle Basel oder 2019 im San Francisco Museum of Modern Art. Seit dem Wintersemester 2019/20 hat sie die Vertretungsprofessur für übergreifendes künstlerisches Arbeiten and der Hochschule für Bildende Künste in Dresden übernommen. 

Die Präsentation von Nevin Aladag im Rahmen von „Sculpture 21st“ wird unterstützt von Outset Germany_Switzerland und der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.