Die schottische Künstlerin Susan Philipsz hat in den vergangenen Jahren zahlreiche eindrucksvolle Sound-Installationen in öffentlichen und institutionellen Räumen entwickelt. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt sich die in Glasgow geborene Künstlerin mit der Umgestaltung und Interpretation musikalischer Quellen vor dem Hintergrund ortsspezifischer Gegebenheiten. Die gelernte Bildhauerin erkundet mittels eigener Stimme oder instrumentaler Kompositionen in ihren Werken die räumlich-skulpturalen Qualitäten von Klang und dessen emotionale wie kognitive Wirkung. Ihr Interesse gilt dabei vor allem dem Wechselspiel zwischen Klang und Architektur, den psychologischen Wirkungen von Liedern und ihrer Fähigkeit, unmittelbare Gefühle und Erinnerungen wachzurufen und dadurch unsere Raumwahrnehmung zu beeinflussen.

Speziell für das Viktoriabad, einem zentralen Bonner Ort voller Erinnerungen, hat Susan Philipsz eine neue Klanginstallation entwickelt. Dabei begegnet sie der Stille des Viktoriabades mit dem Klang ihrer eigenen Stimme, die, vervielfacht und in unterschiedlichen Ausdrucksformen, anschwillt, abebbt, widerhallt – und immer wieder Platz für schweigende Zwischenräume lässt. Inspiriert wurde sie dabei nicht zuletzt durch die These des italienischen Radiopioniers Guglielmo Marconi, dass jeder Klang, der einmal erzeugt wurde, niemals zu reiner Stille verebbt, sondern vielmehr als leise, aber nie lautlos werdende Spur unser Universum durchzieht. Wie Echos der Vergangenheit beschwört die Künstlerin Spuren der einstigen Lebendigkeit und Vitalität dieses Ortes herauf. Klanglich eröffnet sie dabei ein breites Spektrum von Variationen – die Stimmen erklingen mal chaotisch und wohlgesetzt, mal klangvoll, harmonisch aber auch dissonant und spiegeln somit die ganze Bandbreite menschlicher Natur.

The Calling versteht sich als Teil der Ausstellung Sound and Silence, in der das Kunstmuseum Bonn das Thema der Stille in seiner ganzen Breite zwischen erfülltem Schweigen und erzwungenem Verstummen, zwischen scheinbarer Lautlosigkeit und hörbaren übersteigenden Soundclustern auslotet.

Die durch die Ausstellung verursachten CO2-Emissionen werden mit Unterstützung der Freunde des Kunstmuseums Bonn e.V. in Zusammenarbeit mit der Initiative Art to Acres ausgeglichen.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Projektes „Leere, Stille, Sturz – Prometheus“ in Kooperation mit dem Beethovenfest Bonn statt und wird gefördert durch BTHVN2020 aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises.

Viktoriabad, Bonn 2020, Foto: Sonja Werner (
29.04. - 25.07.2021

Susan Philipsz: The Calling

Kunstmuseum Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn