Seit seiner Gründung im Jahr 1956 hat der Mülheimer Kunstverein, verbunden mit dem ehrenamtlichen Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, das kulturelle Leben der Stadt auf vielfältige Weise bereichert. Ein abwechslungsreiches Programm aus Exkursionen, Atelier- und Ausstellungsbesuchen, Vorträgen und Filmmatineen ermöglicht die unmittelbare Begegnung und den offenen Austausch mit bildender Kunst.
Zugleich begleitet er die Aktivitäten des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten und in der Vermittlungsarbeit, insbesondere mit öffentlichen Führungen, Künstlergesprächen sowie Ferienprogrammen und kreativen Workshops für Kinder und Jugendliche. Über die Jahre hat der Kunstverein, der selbst über keine Ausstellungräume verfügt, in Kooperation mit dem Kunstmuseum mit Ausstellungen wie TANDEM (2006), ALTERable EGOs (2009) und Schnittlinien (2014) in Erscheinung getreten.

Anlässlich seines 65jährigen Bestehens präsentiert der Mülheimer Kunstverein 2021 eine Jubiläumsstellung gleich an zwei Orten, im KUNSTMUSEUM TEMPORÄR und in der Galerie d’Hamé. In seiner Funktion als zweiter Vereinsvorsitzender war Hans Jürgen Bolz impulsgebend für dieses Projekt. Leider ist der leidenschaftliche Sammler im Februar dieses Jahres verstorben. Im Vorfeld wurde gemeinsam mit ihm und dem künstlerischen Beirat von Eberhard Ross und Dirk Salz die Ausstellungsidee entwickelt, die nun Gestalt angenommen hat: Unter dem Titel Farbe – Raum – Objekt treffen verschiedene Medien wie Malerei, Skulptur, Objekt, Fotografie und Lichtkunst aufeinander. Werke von elf eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern sowie einer Künstlergruppe, die in Mülheim und über regionale Grenzen hinweg wirken, treten miteinander in Dialog. Mit Fokus auf die Faszination der Farbe, ihre ureigene raumschaffende Dynamik und Wandelbarkeit durch Licht macht die Ausstellung facettenreich unterschiedliche künstlerische Strategien und Herangehensweisen sichtbar und erlebbar.

Ein spannungsreiches Wechselspiel von bemalten und metallisch glänzenden Partien mit Spiegelungen und Reflexionen wird in den Objekten von Barbara Adamek und Rita Rohlfing zum Seherlebnis. In den Gemälden von Matthias Meyer überlagern sich Natur- und Architekturimpressionen zu atmosphärisch verdichteten, multiperspektivischen Bildräumen, während David John Flynn in flüssiges Bienenwachs und Dammarharz gelöste Farbpigmente auf die Leinwand aufträgt und seine Motive nur als Andeutung erscheinen lässt. Eberhard Ross überzieht monochrome Flächen mit einem organischen Liniengeflecht oder irisierenden Farbverläufen, die über die Bildränder hinweg strahlen. Als Abzüge in Streifen nebeneinandergesetzt, veranschaulichen Lichtstudien von Inge Dick aus ihrem Zyklus jahres licht weiss die Veränderung einer weißen Fläche unter dem Einfluss des natürlichen Lichts im tages- und jahreszeitlichen Wechsel. Dirk Salz‘ Kompositionen bestehen aus hintereinander gestaffelten, farbigen Glasflächen oder mehrschichtig aufgetragenen, eingefärbten Epoxidharzen. Letzteres ist auch der Grundstoff der Farbraumkörper von Harald Schmitz-Schmelzer: In unterschiedlichen Formaten bildet sich in den auf Hochglanz polierten Werken des 2019 verstorbenen Künstlers das komplette Farbspektrum ab. „Der Stein war ein Opal, der hundert schöne Farben spielte…“ – dieses Zitat aus Lessings Drama Nathan der Weise ist namensgeben für die Leipziger Künstlergruppe OPAL, zu der sich Johannes Keller, Hans-Christian Neumann und Daniel Reimer zusammengeschlossen haben: In einem gemeinschaftlichen Arbeitsprozess entwickeln sie auf der Grundlage konkret/konstruktiver Kunst Reliefs und Plastiken in Quadratform.

Schließlich wird in einigen Werken der Ausstellung das Licht selbst zum Material: Für ihre Objektkästen und Installationen verwendet Regine Schumann farbiges und fluoreszierendes Acrylglas, das durch zugeführte Energie in Form von Licht aus sich selbst heraus zu leuchten beginnt. Unter Schwarzlicht erhalten ihre Werke eine besondere Aura. Klaus Geldmachers Lichtobjekte, aus diversen Fundstücken, Werkstoffen und Leuchtmittel konstruiert, bestechen durch ihren Erfindungsreichtum. Als Highlight verbindet eine eigens für die Ausstellung realisierte Lichtinstallation der österreichischen Künstlerin Miriam Prantl die Eingangsbereiche der beiden gegenüberliegenden Ausstellungsorte in der Mülheimer Innenstadt optisch miteinander.

Dank der großzügigen Unterstützung der Sparkasse Mülheim an der Ruhr und der Vollmergruppe Dienstleistung GmbH konnte die Ausstellung mit begleitendem Katalog, der in Kürze erscheint, realisiert werden.

09.05. - 11.07.2021

FARBE – RAUM – OBJEKT Eine Ausstellung zum Jubiläum des Mülheimer Kunstvereins

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Schloßstr. 28-30
45468 Mülheim an der Ruhr