Spielerisch wird in der Ausstellung unser Umgang mit Kleiderordnungen und tradierten Kodierungen hinterfragt. Sie beleuchtet mit unterschiedlichen Fragestellungen die internationale Mode als Spiegel von Gesellschaft und Individuum. Themen, wie beispielsweise Noblesse oblige, Authentizität oder Markenfetischismus werden mit Exponaten inhaltlich systematisiert und visualisiert. Ob Designer-Kleid oder Jeans, Anzug oder Jogginghose, Strickpullover oder Uniform – jede Kultur, Gesellschaft und Gruppe hat ihre eigenen Dress Codes.

So verhandelt die Ausstellung Mode zwischen zwei Polen – dem Individualisten und dem Konformisten. Kleiden oder „Verkleiden“ ist ein wichtiger Motor im Selbstfindungsprozess der eigenen Identität, und für die Persönlichkeitsbildung ist die Verwandlung ein kreativer Akt. Die Mode entpuppt sich als geeignetes Vehikel von Individualisierungstendenzen – auch das ist eine zentrale Aussage der Ausstellung. Im Wettlauf in den sozialen Kanälen gilt das permanente Streben dem eigenen Stil, der sich im kulturellen und globalen Kontext jedoch kaum noch unterscheidet.

„Vielleicht geht es – statt um eine scharfe Trennung zwischen „fake“ und „real“ – bei den multiplen Identitäten, die wir jeden Tag präsentieren, eher um eine endlose Kostümprobe, bei der keine oder Person authentischer ist als die nächste.“
Zitat aus: „Vestoj – The Platform for Critical Thinking on Fashion“, 2018

Mode ist nicht nur ein Akt des Tragens von Kleidung – sie ist auch ein Akt des Sehens und Gesehen-Werdens, der heute mit Vorliebe über die sozialen Netzwerke geteilt wird. In der Auseinandersetzung mit Anlass und Wirkung, repräsentativen Anforderungen oder persönlichen Vorlieben funktioniert die soziale Kommunikation via Mode auf visueller und auf nonverbaler Ebene. Gezeigt werden wichtige internationale Standards der Streetwear bis hin zur heutigen stilistischen Pluralität. Die Ausstellung präsentiert einen weltumspannenden Überblick zeitgenössischer Mode von insgesamt 60 Designer*innen wie Giorgio Armani, Chanel, COMME des GARÇONS, Issey Miyake, Burberry oder Louis Vuitton, die darüber hinaus mit zeitgenössischer Kunst, u.a. von Tom Sachs, Chelfitsch, Hans Eijkelboom, Keizo Motoda, Cindy Sherman oder Juergen Teller in einen Dialog gebracht wird.

Eine Ausstellung des National Museum of Modern Art, Kyoto, und des Kyoto Costume Institute in Kooperation mit der Bundeskunsthalle. Sie ist die exklusive europäische Station der aus Japan kommenden Ausstellung. Sie war zuvor im National Museum of Modern Art, Kyoto, dem Contemporary Art Museum, Kumamoto, und der Tokyo Opera City Art Gallery zu sehen.