Das Museum Wiesbaden zeigt die erste umfassende museale Einzelausstellung des Berliner Künstlers Slawomir Elsner. Seine Buntstiftzeichnungen und großformatigen Aquarelle sind so ungewöhnlich wie vielseitig. Elsners akribisch gezeichneten Werke nehmen Bezug auf unser kulturelles und kollektives Gedächtnis, indem sie berühmte Kunstwerke oder signifikante Situationen der Zeitgeschichte spiegeln. Dabei stehen im Zentrum seines künstlerischen Ansatzes immer zwei grundlegende künstlerische Mittel: Farbe und Licht. Das kommt auch in den abstrakten Aquarellen zum Ausdruck, die er in immer größeren Formaten an die Grenze ihrer Gattung führt. Anhand von knapp 50 Werken und einer 20-teiligen Fotoserie werden entscheidende Stationen im künstlerischen Werdegangs Elsners sowie seine charakteristischen Werkserien vorgestellt.

Slawomir Elsner (geb. 1979) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der Kunsthochschule Kassel, zuletzt als Meisterschüler von Prof. Norbert Radermacher. 2020 wurde Elsner mit dem Otto-Ritschl Preis ausgezeichnet. In seinen Buntstiftzeichnungen überträgt der Künstler malerische Aspekte alter Meister in das Medium der Zeichnung. Der Ausstellungstitel „Präzision und Unschärfe“ steht für das Besondere an Elsners Arbeiten. Strich für Strich nähert er sich den historischen Gemälden an, indem er kurze Linien zu immer dichteren Farbgeflechten übereinanderlegt. So nimmt er Bezug zu unverkennbaren Bildern des kulturellen Gedächtnisses, beispielsweise dem Mädchen mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer. Auch finden sich in der Ausstellung Hauptwerke aus der Sammlung des Museums Wiesbaden von Alexej von Jawlensky, Otto Mueller und Carl Spitzweg, gezeichnet aus der Sicht des Berliner Künstlers. Andere Werke knüpfen an das kollektive Gedächtnis der Gegenwart an. Die Farbstiftzeichnungen der Werkserie „Windows on the World“ sind beispielsweise an Fotografien der gleichnamigen Bar angelehnt, die sich auf der 107. Etage des World Trade Centers in New York befand und die Elsner im Frühjahr 2001, nur wenige Monate vor den Terroranschlägen, gemacht hat. In der Werkserie abstrakter Aquarelle erschafft er durch unzählige monochrome oder mehrfarbige Schichten luminöse Farbräume.

„Ich bin von Herzen dankbar für die Wertschätzung meiner Arbeit“, betont Slawomir Elsner. “Der Ritschl-Preis kam unerwartet und ich bin sehr geehrt und erfreut, ihn mitsamt der großzügigen Ausstellung entgegen nehmen zu dürfen!“

„Slawomir Elsner ist ein Künstler, der mit einer überzeugenden konzeptuellen Klarheit und einer souveränen künstlerischen Technik sich zwei zentralen Grundsubstanzen der Malerei widmet, nämlich der Farbe und dem Licht“, erläutert Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden und Kurator der Ausstellung. „Interessanterweise nutzt er dazu Buntstifte und Aquarell, zwei in der Geschichte der Kunst oft marginalisierte Medien. Mit ihnen erschafft er luminöse Farbräume und offenbart darin eine künstlerische Verwandtschaft mit Otto Ritschl. Ich danke daher sehr dem Museumsverein Ritschl e.V., der in Kooperation mit dem Museum Wiesbaden Slawomir Elsner den Ritschl-Preis 2020 zuerkannt hat. Wir freuen uns, die dem Preis zugehörige Ausstellung jetzt der Öffentlichkeit präsentieren zu können.“

Die Ausstellung "Präzision und Unschärfe" gibt auf 270 qm einen Einblick in Elsners künstlerische Entwicklung, angefangen bei den Arbeiten, die noch zu Studienzeiten entstanden sind, bis zu den Werken, die der Künstler eigens für die Ausstellung angefertigt hat. Im Zentrum der Schau stehen Slawomir Elsners aktuelle Arbeiten aus zwei umfangreichen Serien. Zum einen Werke aus der Serie des „imaginären Gedächtnisses“ mit Farbstiftzeichnungen nach alten und neuen Meistern. Zum anderen die abstrakten farb- und lichtintensiven Aquarelle aus der Serie „Just Watercolors“. 

„Trotz so offensichtlicher Unterschiedlichkeit in Sujet und Technik,“ betont Lea Schäfer, Kuratorin der Ausstellung, „basieren die Aquarelle und Zeichnungen auf dem gleichen künstlerischen Prinzip: der Lichtquellen, die im Bild eingewoben, dieses von innen heraus zum Leuchten bringen. Ziel der Ausstellung ist es, diese besondere Qualität der Arbeiten aus den aktuellen Werkserien von Slawomir Elsner erfahrbar werden zu lassen.“

Zur Ausstellung erscheint im Dezember 2021 ein begleitender Katalog im DCV Verlag mit Installationsansichten der Schau und Beiträgen von den Kuratoren Dr. Andreas Henning und Lea Schäfer sowie Dr. Anne-Marie Bonnet und Dr. Nils Ohlsen. Zudem wird der Katalog einen Index enthalten, in dem die in der Ausstellung behandelten Serien vollständig abgebildet werden. Der Katalog (144 Seiten, Hardcover, zweisprachig deutsch / englisch) kostet an der Museumskasse 26,- Euro. 

Der Künstler wird im Rahmen der Ausstellung eine exklusive Edition anbieten. "Frau mit Fächer" (nach Alexej von Jawlensky, 1912, Museum Wiesbaden) ist der Titel der signierten iPad-Zeichnung Slawomir Elsners, von der 25 qualitative Drucke in der Größe 26,5 x 19 cm im Museumsshop erhältlich sind. 

Ausstellungsansicht. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
05.11.2021 - 06.03.2022

Slawomir Elsner: Präzision und Unschärfe

Museum Wiesbaden

Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden