Keith Sonnier – mit diesem Namen verbinden sich vor allem die Lichtarbeiten des 1941 in Louisiana, im Deep South der USA geborenen Künstlers. Sonnier setzte ab den 1960er-Jahren kontinuierlich Licht in Form von Neon- und Argonröhren wie auch handelsüblichen Glühbirnen zur Schaffung skulpturaler Werke ein. Darin, wie im Übergang seiner bildhauerischen Werke vom Raum an die Wand, besteht sein innovativer Beitrag zur radikalen Erweiterung des Skulpturenbegriffs. Erstaunlich ist auch, mit welcher Leichtigkeit sich Sonnier bereits zu diesem frühen Zeitpunkt jeglicher Doktrin entzog – eine Haltung, die der Künstler zeitlebens beibehalten sollte und mit der er ein vielgestaltiges Werk schuf. Immer wieder wurde dieses Werk hierzulande und international gezeigt.

Das Neue Museum Nürnberg widmet Keith Sonnier die erste Retrospektive nach seinem Tod im Sommer 2020, die sein Œuvre weit über die wegweisenden Lichtarbeiten hinaus in all seiner sinnlichen wie engagiert-sensiblen Diversität vorstellt.

In den 1960er-Jahren war Keith Sonnier mit Werken in bahnbrechenden Ausstellungen vertreten: in Eccentric Abstraction (1966) und Anti-Illusion: Procedures/Materials (1969) in New York sowie in Live in Your Head: When Attitudes Become Form (1969) in Bern und London. Sonniers Beiträge, wie die Kunst seiner Zeitgenossen Eva Hesse, Robert Morris, Richard Serra oder Richard Tuttle, wurden als Angriff auf die Ästhetik und den Werkbegriff des damals dominierenden Minimalismus gelesen und unter dem Namen der New Sculpture bekannt. Die prozessbasierten, ortsspezifischen Arbeiten Sonniers haben mit ihren kunstfernen Materialien wie Latex, Fiberglas, Draht oder Aluminium und ihrer Veränderung in der Zeit wesentlich den Postminimalismus geprägt.

Mit seiner Hinwendung zu Video und Fernsehen hat Sonnier auch in den 1970er-Jahren erneut eine künstlerische Entwicklung maßgeblich mitvorangetrieben. So offenbart beispielsweise die in der Nürnberger Ausstellung gezeigte Video-Installation Channel Mix aus dem Jahr 1972, ein Highlight der Sammlung des Neuen Museums, Sonniers tiefgehendes Interesse an medial geprägten Sehkonventionen und deren Unterwanderung. Sein Publikum lässt er mit einer Doppelprojektion, die sich aus Fernseh-Live-Feeds speist, regelrecht in die Arbeit eintreten. Neben allen Fragen, die auf Übermittlungstechnologien zielen, wird sein Interesse an Farbräumen mehr als deutlich. Sonnier ist nicht müde geworden hervorzuheben, dass ihm das körperliche Empfinden von Licht viel bedeutsamer sei als das visuelle. Und auch andere Werke, wie diejenigen, die in den 1980er-Jahren auf seinen vielen Reisen nach Brasilien, Indien oder Japan oftmals in Zusammenarbeit mit lokalen Handwerker_innen und traditionellen Materialien entstanden sind, zeugen von dem Wunsch, Kunst mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.

Die weit über sechzig Arbeiten aus fünf Jahrzehnten umfassende Retrospektive im Neuen Museum Nürnberg zeigt, dass sich Keith Sonnier eine sensible wie spielerische Offenheit im Umgang mit verschiedenen ästhetischen Ausdrucksformen zeitlebens bewahrt hat. Der Ausstellungstitel Lightsome bezieht sich so einerseits selbstverständlich auf Sonniers herausragende Lichtkunst und andererseits im Sinne von „heiter“ und „unbeschwert“ auf Sonniers Haltung als Künstler.

Großzügige Unterstützung erhält die Ausstellung neben internationalen Leihgaben, etwa des Kunstmuseums St. Gallen, der Tate und vieler Privatsammler_innen, durch den Nachlass des Künstlers sowie die Sac-O-Lait Keith Sonnier Foundation. Daneben beinhaltet sie ein ganz besonderes Konvolut: eine in langjähriger Zusammenarbeit von Keith Sonnier mit Christa und Wolfgang Häusler (Häusler Contemporary Zürich) entstandene Sammlung von Werken aus allen Schaffensphasen, die der Künstler selbst als repräsentativ für sein Œuvre erachtete.